sabato 28 gennaio 2017

International denken

Ich arbeite ja selbst an einer Universität oder so etwas, wo auf Englisch miteinander umgegangen werden soll. Was wir da sprechen oder schreiben, ist nicht immer schön.

Dass man das in Deutschland, auch an Philosophischen Fakultäten so tue, könnte ja auch egal sein. So bekommen sie internationale Studenten und das ist gut fürs Ranking und veröffentlichen in rankingrelevanten Zeitschriften und das ... ja, und so weiter. Das ist die Streberkette, erzeugt durch gegenseitiges Schulterklopfen. Die Regierenden sind zufrieden und geben Geld dafür, das für geistvollere Aktivitäten ohnehin nicht zur Verfügung stünde.

Sie wollen die Sprache abkratzen und Gedanken austauschen. Sie bekommen etwas dafür.


Aus wem wird was?

Schau dich um in deiner Klasse, das Abitur naht: kannst du es nicht sehen, wer von euch es zu etwas bringen wird? Der Schläger oder die Schlägerin, der Sportler und die Streberin, die Schwimmerin, der Esel mit den breiten Schultern? 

Wer aus meiner letzten Schulklasse etwa reich geworden wäre, weiß ich nicht. Ich habe die meisten Namen vergessen. Nur an die drei Streber kann ich mich erinnern. Ich habe ihnen wohl, ohne je dazu zu gehören: ich war einfach zu faul und zu wenig da, auf rätselhafte Weise nahe gestanden. 

Die Beste war von Natur aus Streberin. Sie konnte nicht anders, nehme ich an, und dachte sich wohl nichts dabei. Sie war nur intelligenter und fleißiger als die anderen, auch nicht besonders aufsässig. Gesagt hat sie nicht viel, hatte aber am Ende immer die besten Noten. Wenn ich ihren Namen richtig gegoogelt habe, ist sie heute Direktorin eines mittelgroßen Archivs irgendwo in Deutschland. Das könnte man sich als Leben ja auch vorstellen: zu schüchtern für große Hörsäle, zu klug fürs Klassenzimmer, sucht, hegt und pflegt sie Urkunden und Schriften, die Seele Europas. 

Der zweitbeste war ein alternativer junger Mann, welcher Kernkraftwerke und Sex ohne Liebe "echt finster" fand, nach getanen Hausaufgaben Gedichte im Stile Erich Frieds schrieb und damit auch einen gewissen Erfolg hatte. Er hatte so gute Noten, dass er sich für Theaterwissenschaften an der FU Berlin einschreiben konnte, wo es einen strengen Numerus Clausus gab. Das hat er aber schnell wieder aufgegeben und ist, heißt es, ein bekannter Satiriker geworden. Wenn ich mir seine satirischen Videoclips anschaue, dann sehe ich bei vielen, den älteren ganz sicher, plötzlich unsere manchmal wunderbare Deutschlehrerin vor mir und höre ihre bissigen Bemerkungen: für die anderen waren die lustig, nicht immer für den, den es traf. Ganz ähnlich hat unser Satiriker einmal etwas sehr Böses über Streber Nummer drei geschrieben und diesen in einem Zeitungsartikel einen Streber genannt, was nun wirklich komisch ist, vor allem aber ungezogen. So etwas gehört sich nicht, lehrt aber etwas über den Charakter von Strebern: trau ihnen nicht. 

Nummer drei also, der ist heute Professor, und ich hoffe, er ist nicht mehr so zappelig, wie er als Junge war. Sein Vater war auch Professor, aber in einem ganz anderen Gebiet; die Tatsache verrät also wohl nichts über catanische Machenschaften an deutschen Unis, eher etwas von der Richtung unserer Träume. Ich selbst hätte und habe das vermieden, den Weg meines Vaters einzuschlagen. Es ist doch so schon schwierig genug, vom Erzeuger freizukommen. Aber Streber folgen offenbar immer jemandem. 

Ob sie glücklich sind?

Woher kommen die Streber?

Manche Länder sind bekannt für Bestechlichkeit von Politikern, andere für glückliche Menschen, Deutschland für seine Streber. Das wird erst dann wirklich zum Problem, wenn diese etwa Philosophiefakultäten erobern. Da gehören sie nicht hin. Anderswo sind sie einfach nur seltsam anzuschauen, so von außen. 

Man will ja nichts falsch machen. So ein deutscher Kassierer im Supermarkt grüßt mich deshalb nicht, bevor ich nicht an der Reihe bin (er könnte durcheinander kommen). Dann registriert er meine Waren, ohne in Gesprächen zu verweilen, auch wenn er mich seit Jahren jeden Tag sieht. Wenn er den Vorgang abgeschlossen hat, also mit mir fertig ist, reicht er mir den Kassenbeleg, wünscht "Schönen Tag noch!" und geht zum nächsten Kunden oder Vorgang über. Rein als Algorithmus betrachtet, handelt es sich um eine einfache Schleife. Sollte ich oder, noch besser, die Person vor mir, nicht das passende Kleingeld haben, steht der Vorgang still. Die ältere Dame sucht minutenlang nach dem einen Cent, den sie der Kasse noch schuldet. Der Kassierer könnte auch einfach sagen: "Vergessen Sie's!" Tut er aber nicht. Nicht aus Geiz, sondern aus Regeltreue. Fehler dürfen nicht vorkommen. Am Ende liegt nicht zu viel und nicht zu wenig in der Kasse. 

Die Kassiererin in einer Bar in Italien wendet ein ganz anderes Verfahren an. Während noch einer dasteht, der sein Portemonnaie wegstecken muss und sie einem zweiten das Restgeld und die Quittung in die Hand drückt, fragt sie schon Nummer drei nach ihren Wünschen. Hat einer nicht das passende Geld, lässt sie ihn suchen und sammeln, fertigt aber in der Zwischenzeit schon zwei oder drei oder mehr andere Kunden ab. 

Das sind in Stoßzeiten mindestens drei sich überlappende Prozesse. Vermutlich kommen dabei mehr Fehler vor als in Nordeuropa, aber bei der schnelleren Abfertigung einer größeren Zahl von Kunden lohnt sich das bestimmt. Außerdem ärgert sich keiner, weil es schnell geht. Eine Deutsche wäre bei solchen Methoden ständig überfordert. Denn sie denkt an die Fehler, die sie machen könnte.

Alles richtig machen zu wollen, ist eine erste Grundregel des Streberdaseins. Allerdings kommt eine zweite dazu: alles, wirklich alles richtiger machen zu wollen als die anderen. 

venerdì 27 gennaio 2017

Bayerische Elite

Es gibt da auch, schau an, ein "Bayerisches Eliteförderungsgesetz", kurz "BayEFG" (vom 26. April 2005), wozu man sich aber bitte nicht selbst vorschlägt. Da muss erst einer den Verdacht haben, ich oder du könne bayerische Elite sein, und zwar nicht irgendwer, da könnte ja ein jeder Doktorand daher kommen.  Das muss mein oder dein Betreuer machen: "Vorschlagsberechtigt sind Personen, die Dissertationen und weiterführende Forschungsprojekte an Hochschulen und Forschungsinstitutionen in Bayern betreuen". Ja ja, man braucht kein rechter Bayer zu sein, man muss aber im Lande studieren! Ohne Opfer geht halt gar nichts. 

Aber wie komme ich dann rein? Durch ein geniales Vorhaben? durch eine Witz oder Gift und Geist und Galle verspritzende Magisterarbeit? Den Exzellenztest vielleicht? Keine Rede. Da muss einer "durch weit überdurchschnittliche Studien- und Prüfungsleistungen eine besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit erkennen lassen". Also angenommen, einer will über Frank Wedekind promovieren. Da muss er schon sehr gute Noten auch in der Mittelhochdeutsch-Prüfung und im Seminar über Hartmann von der Aue bekommen haben, denn sonst ist der keine Exzellenz nicht. Das Gesetz könnte schmerzlos in BayStrFG umbenannt werden. Was ein Streber ist, weiß wenigstens ein jeder. "Elite" klingt doch eher nach einer Schokoladen- oder Mineralwassermarke. 



Streberland

Die Sauna ist, wenn die Leute nicht, wie in Deutschland, ihre Ruhe haben wollen und mit einem "Shht!" jede Konversation unterbrechen, ein Ort, an dem wir, nackend, wie wir sind, anderen uns zeigen und Fremden zuhören können.

In Italien habe ich in so einer Schwitzstube einen Verkäufer kennen gelernt, der mir auf die Auskunft, ich sei Deutscher, stracks erklärte, wie er deutsche Verkäufer zu verunsichern gelernt habe. Was so ein Verkäufer weiß, ist Ethnologen oder Völkerkundlern normalerweise nicht bekannt, es sei denn, sie gingen in die Sauna, aber dann dürften sie es nicht aufschreiben, weil das wissenschaftlich und auch sonst unethisch wäre, so viel ich weiß. 

Mit Franzosen, erklärte besagter Saunagänger, sei die Sache schon einfach. Er nenne einfach ein literarisches Werk, welches sie ganz sicher nicht kennten, und behaupte, tout le monde spreche seit Wochen darüber. Das bringe einen Franzosen gänzlich aus dem Häuschen, dass er so ein wichtiges literarisches Werk nicht kenne.

Bei den Deutschen lasse er sie erst "ihren ganzen Mist, den diese Secchioni natürlich auswendig gelernt haben", aufsagen. Dann bitte er sie schüchtern, die Sache noch einmal zu erklären, weil er, der geistig weniger flinke Italiener, leider nicht ganz verstanden habe. "Wenn ich das zweimal gemacht habe, sind sie weich, weil sie einfach jedesmal alles wiederholen, obwohl sie sich ganz dumm dabei fühlen", erklärte er mir. So macht man das mit Secchioni, Strebern. 

Weniger Schule

Bei all diesen  schönen Kollegs oder auch Doktoratskasernen kommt mir manchmal der Gedanke, etwas weniger Schule überall wäre auch nicht schlecht. Wer hätte denn wem unablässig so furchtbar viel beizubringen? 

Unter den Grundschulen, die ich habe besuchen müssen oder dürfen, gab es noch eine dieser freundlichen Einrichtungen, die schon damals, verächtlich oder romantisierend? Zwergschulen genannt wurden. Es war in Rath bei Nörvenich, einem Dorf mit vielleicht 400 Einwohnern. 

Da saßen wir, alle neun Klassen, in einem Raum beieinander, und der Lehrer kümmerte sich jede Stunde etwa fünf Minuten um jede der Gruppen von zwei bis vier Personen, die jeweils einen Jahrgang bildeten. Das heißt, er erklärte oder korrigierte etwas, gab eine Aufgabe für die nächsten vierzig Minuten und ging weiter. Im Großen und Ganzen hatten wir unsere Ruhe. Wenn wir nur die Übungen zügig erledigten, blieb immer noch Zeit zum Nachdenken oder Malen oder Träumen, was doch eigentlich sehr bildungsfördernde Tätigkeiten sind. 

Um Punkt zwölf war alles vorbei. Hausaufgaben gab es nie und ich habe mich auch später nie an so etwas gewöhnen können. 

Es muss wirklich eines der letzten dieser Institute gewesen sein. Nach einem Jahr dort ging der Lehrer in Pension und wir wurden fünf Kilometer weiter in eine moderne Schule geschickt. Das war auch nett, aber unsere Lehrerin erwartete, dass wir uns unablässig um sie kümmerten.

Übrigens hatte ich zuvor ein halbes Jahr lang gar keine Schule besucht. Unsere neue Wohnung war noch nicht frei, die alte aber schon gekündigt: so kam es, dass ich im Sommer mit meiner Mutter auf den Bauernhof meiner Großmutter zog. Als die Sommerferien zu Ende waren, gingen meine Cousins und Cousinen wieder brav in ihre Schule. Ich nicht. Ich diskutierte mit dem Herrn, welcher damals nur "der Knecht" hieß, half beim Ausmisten und trieb abends die Kühe in den Stall. Ich lernte Trecker fahren (naja, beim Pflügen ...), erfuhr, dass man im Schweinekoben besser nicht läuft, staunte über die seltsamen Gebräuche der Jäger, erschrak über die lange Reihe toter Tiere, denen mit Hörnern ein Lied gespielt wurde. 

Weihnachten war ich immer noch auf dem Hof. Bald danach habe ich vermutlich meine Schullaufbahn wieder aufgenommen. Diese halbjährige Abwesenheit scheint mir aber danach in keiner Weise geschadet zu haben, weder in der Schule noch im Leben.  

Vorher wissen

Ich habe einmal einen Soziologieassistenten kennen gelernt, der gab an, seine Doktorarbeit schon fertig "in der Schublade" zu haben. Kurz vor Ablauf seines Vertrages als Assistent (WiMi) wolle er einen Antrag auf Promotionsförderung stellen, erklärte er, welcher ihm, der "alle Punkte dafür" gesammelt zu haben glaubte, weitere drei Jahre friedlicher Forschung garantieren würde. 

Die Förderer würden überzeugt sein, eine Promotion zu ermöglichen, während der junge Mann in Wirklichkeit schon an seiner Habilitation arbeitete. Dann werde er, so seine Planung, alles ganz schnell hinter einander einreichen und veröffentlichen. "Das gibt Punkte", erklärte er mir. 

Etwas Ähnliches geschieht heute bei der Graduierten und Forschungsgemeinschafts-Forschung. Zunächst braucht man einen zehnseitigen Entwurf, dann darf man sich vorstellen. Und wenn man drin ist? Dann "verständigen" "die XZY-Mitglieder sich in einem ausführlichen internen Teil über die Zusammenarbeit wie auch die zentralen Veranstaltungen und Publikationen der folgenden Jahre". Die wissen natürlich schon, was sie in den folgenden Jahren veröffentlichen werden. Wenn sie es nicht wüssten, gäbe es kein Geld dafür. Irgendwie logisch.

Geheimnis und Graduiertenschule

Man sucht "exzellente Kandidaten", bietet in Giessen ein "exzellentes Umfeld" (wenn man sich das so vorstellte: das Umfeld ragt heraus?) und lädt ein: "Join an excellent team!" Lego-Land kann nicht weit sein, wo bekanntlich: "Everything is awesome ..". Ist es da nicht in gewisser Weise beruhigend, dass die Optik-Doktorschule in Karlsruhe nichts weiter als "First-Class Research, Education, and Innovation" anbietet? Die heißt übrigens KSOP, was für Leute, die sich mit Photonik beschäftigen wollen, ja noch anginge. Bei der SBGM geht es um Biologie, wie bei den meisten geförderten Dingen in Deutschland um Naturwissenschaft und Technik, doch auch Literarisches kommt abgekürzt daher: GCSC, GSPoL, FSGS. Letzteres Kürzel führt Friedrich Schlegel als FS mit. Nur keine Umstände. 

Die Glaspaläste, in denen Geld und junge Leute verschwinden, tragen rätselhafte Buchstabenfolgen, aber da wohnt kein Geheimnis. 

giovedì 26 gennaio 2017

Ein größerer Unfall

Stell sich einer vor, er sei Philosophieprofessor und habe sich ein fleißiges Forscherleben lang mit antiker Philosophie und mit so etwas wie Plotin beschäftigt. Das klingt nicht sehr reißerisch. Es handelt sich aber direkt (übersetzt wurde er erst 1806) oder indirekt um einen der einflussreichsten Denker (so zwischen Goethe und Historismus) für die deutsche Geistesgeschichte, wenn man so etwas erzählen will, was ja nicht jedermanns Sache zu sein braucht.

Angenommen auch, zwischen vier oder fünf wöchentlichen Seminaren und Vorlesungen, also vielleicht 60 bis 100 jungen Leuten  (Philosophie, nicht Jura oder so etwas), darunter Dingen wie Lehramtsstudenten, tue sich einmal einer hervor, dann ein zweiter und dritter. Der oder die lesen mehr, lernen mehr, verstehen mehr als die anderen. Das wäre beglückend, nicht? 

Was aber machen Sie mit dem zweit- oder drittbesten, der nun tatsächlich in Ihre Fußstapfen treten will? Sie verschaffen ihm ein Stipendium für die States. Zwei, drei Jahre, dann wird sich zu Hause etwas finden, denken Sie. 

Nun kommt dieser kluge und fleißige junge Mensch nach drei Jahren zurück und wird tatsächlich Professor in Deutschland. In Vorlesungen spricht er über Einhörner, tut das, als wäre er Steve Jobs und postet sich auf Youtube.

Das kann passieren, wenn man einem Menschen weiterhilft, und dann war es nur ein Streber.


Graduiertenschule: Nur für die besten


Aufnahmekriterien:
"Bei PostdoktorandInnen wird eine mindestens mit »magna cum laude« abgeschlos­sene Promotion an einer wissenschaftlichen Hochschule im In- oder Ausland vorausgesetzt". Mit dickem Lob also, ein einfaches oder zögerliches reicht natürlich nicht. Nun hngt die Note nicht nur von der Qualität der Arbeit, sondern auch von der Universitätstradition, von Gewohnheiten und etwa Launen des Doktorvaters, von dessen Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der Kommission und vermutlich, je nachdem, auch vom Wetter und der Sternenkonstellation ab. Stattdessen zu bitten, nur Leute mit interessanten oder anregenden oder schönen Doktorarbeiten sollten sich bewerben, kommt naturgemäß nicht in Frage. Bei so einer Graduiertenschule weiß man einfach genau, was man will. Für Doktoranden etwa wird verkündet: "Die BewerberInnen um die Promoti­ons­stellen müssen überdurchschnittliche Leistungen, insbesondere beim Hochschul­abschluss (Master, Master of Education, Staatsexamen oder Vergleichbares), vorweisen". "Insbesondere": das heißt die Auswähler schauen sich auch die vorausgegangenen Noten an. Vielleicht bis zum Abitur? Wenn das so wäre, dann läge hier zwar ein Fall norddeutscher Bescheidenheit vor ("überdurchschnittlich" ist wenigstens nicht "herausragend" oder "gipfelstürmend"), aber die Neigung zu dem, was man Streber nennt, wäre gleichwohl unverkennbar. Also zu solchen, die immer gute Noten haben. 

Was da so verlangt wird für eine Doktorschule


    • Nur, was die Sprache betrifft:
      "BewerberInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch oder Englisch ist, sollten Sprachnachweise für Deutsch (C1 / DSH 2 / ZOP / TestDaF 4 / DSD II) beibringen",
      das heißt, Sie müssen nicht nur längere Sätze hervorbringen und verstehen, Ihrer Freundin Ratschläge beim Einkaufen geben ("Ach, Gerda, das ist wirklich eine schwierige Entscheidung!") und Graphiken beschreiben können, sondern derlei wundersame Fähigkeiten auch durch ein anerkanntes Zertifikat bescheinigt bekommen haben. Was nun einerseits Zeit und Geld kostet (zwischen 100 und 200 Euro plus Vorbereitungskurs), andererseits aber gar nicht ausreicht, um etwa eine Seminararbeit abzufassen. Es handelt sich, was ein Bayer wohl nicht verstehen würde, um Kokolores. 

      Was nun das Englisch betrifft: "Englisch (B2 / IELTS 5.0 / TOEFL 500-170-80 / Cambridge Examination CEA / 7 Jahre Englischunterricht in einer deutschen Schule)". B2 entspricht etwa dem First Certificate und wäre schon für einen qualifizierten Sekretär etwas wenig, fürs Doktorieren ganz sicher. Ist natürlich auch nicht ganz billig. Dass man in einer "deutschen Schule" (anderen vertraut man da nicht) sieben Jahre brauche, um auf B2 zu kommen, ist ... nun ja, wir erinnern uns.

      Warum aber überlässt man die Sprachbewertung nicht einfach der Auswahlkommission? Die anwesenden Damen und Herren wissen ja eigentlich, worum es gehen wird. Unternehmer machen das so, wenn sie nicht komplett meschugge sind.

      Nur die Verwaltung will den Professorinnen natürlich am liebsten gar nichts überlassen und fordert Zertifikate. Professoren haben keine Lust und keine Macht und daher das ganze Gedöns.




"Meine liebe Freundin", schreibt Coleridge

aus Ratzeburg. "See how natural my German comes from me". Tatsächlich lernt er es dann, weil er ja Kant lesen und mit Fichte sprechen will. Das ist nur natürlich, will es scheinen. Selbst Talcott Parsons muss ja Deutsch gelernt haben, um Max Weber zu lesen. Heute allerdings sieht man das offenbar anders. In Deutschland spricht man auch Englisch, wenn es um Philosophie geht, und Amerikaner können sich das Deutschlernen sparen, auch wenn sie in Berlin Doktor werden wollen.

Es kommt doch eh nur auf den Inhalt an.


mercoledì 25 gennaio 2017

So was Bayerisches überall

Inzwischen ist auch der Norden exzellent und das ist zwar peinlich, kann aber außerdem "excellent English (speaking and writing)", während "knowledge of German is desirable". Auch hier in Berlin geht es um Antike Philosophie und die wartet ja schon lange darauf, auf Englisch, wie man sagt, zum Ausdruck zu kommen. 

martedì 24 gennaio 2017

Ew. Exzellenz

Wenn man eher in Norddeutschland aufgewachsen ist, dann gibt es eine Reihe von Dingen, die man einfach nicht tut. Goldnippsachen an die Ohren hängen, BMW fahren oder emaillierte Armreife mit Klimt-Motiven tragen, das geht nicht und wenn man so was hat, wird es versteckt. Auch die Titel gehen im Norden schwerlich über einen "Deichgraf" oder "Landrat" hinaus und die gibt es auch nicht mehr. Alles höhere und lautere ist peinlich und kommt aus dem Süden. Mein Onkel Paul auf seinem Trecker, der würde da nur den Kopf schütteln und "kehr, kehr" sagen. 

Nennt sich daher eine Institution "Exzellenzuniversität", dann liegt die wahrscheinlich in Bayern, denkt man als Norddeutscher. Einer, der über seinen Laden schreibt, "our university is recognized as one of Europe´s premier academic and research institutions", der kann eigentlich nur aus München sein oder aus dem Salzkammergut. So etwas sagt man doch nicht über sich selbst, auch nicht, wenn man ein Center for Advanced Studies hat und antike Philosophie auf Englisch unterrichtet oder andere barocke Schickereien betreibt. 

Nun ist dieser sozusagen bayerische Stil offenbar auf dem Vormarsch.