Der Herr Greenblatt, von Beruf Ethnologe, hatte bekanntlich Schauerliches aus fernen Ländern zu berichten. Da habe so ein Forscher, schreibt er, damit zu rechnen, mitunter seine Ekelschwellen ein wenig höher setzen zu müssen, weil die auf irgendeiner fernen Insel Dinge trinken, die er eher ablassen und vergessen würde, wenn es nach ihm ginge.
Auf solche exotikverbundenen Anforderungen braucht sich aber gar nicht einzulassen, wer nur in aller Stille einen rechten Ekel erfahren möchte. Es genügt, über die deutsche Grenze zu fahren und irgendwann zwischen September und Juni vor einem niederländischen Kurspublikum zu sitzen.
Angekündigt könnte der Eindruck schon durch einzelne Studenten sein, welche mit Schnupfen oder einer Snotneuse, wie manche hier auch sagen, in deinem Büro sitzen und kein Taschentuch dabei haben. Bietest du ihnen eins an, lautet die Antwort dann etwa "Danke, das läuft so!" Als Kindern bringt man denen offenbar bei, dass Naseputzen in der Öffentlichkeit unschicklich sei, jedenfalls unschicklicher als Hochziehen.
Der Kurs oder was mit fünfundzwanzig verschnupften Studenten wird da leicht zu einem kleinen Konzert.
venerdì 5 maggio 2017
Rätselhafte Wörter
Wörter sind mitunter schaukelhaft und verwirrend, woran man dann auch ein ganzes Leben lang seine Freude haben kann, wie an Ostwestfalen, wo man Ost oder West verschiedentlich bindet oder auflöst. Darüber hat schon ein alter Schulfeind von mir, naturgemäß unter Nennung der Gedanken anderer, alles entscheidende gesagt.
Vor anderen Wörtern steht einer mit offenem Mund davor und weiß gar nicht. Bei Leitkultur geht es mir so. Leiten ist ein Verb und bedeutet so viel wie führen. Der Direktor einer Einrichtung heißt dann aus historischen Gründen unter beiden Möglichkeiten nur Leiter. Leitkultur immerhin wäre also auch Führkultur. Aber was heißt das?
Kultur für Führer? Leit- nicht Leiter- haben wir da. Also das ist es nicht.
Ich führe eine Abteilung oder einen Blinden. Sie werden tun, was ich sage, und zwar zu ihrem Besten. Sie werden dahin gehen, wo ich sage. So meinen die Grimms zum Verb leiten:
immer tritt bei ihm das bestimmen einer richtung und eines zieles für einen weg hervor.
Die Leitkultur hätte also vielleicht zu bestimmen, wo Kultur lang- und hingehe. Das tut Kultur nun nicht, sie geht eher selten im Raum umher. Leitkultur also gäbe den Leuten Richtung und Ziel.
Kultur, könnte einer hier meckern, gebe überhaupt keine Richtung und kein Ziel an. Sie ist ja kein Punkt oder Ort, auch bildlich gesehen eher nicht. Metaphorisch wäre sie doch eher etwas, was uns umgibt oder, wenn es sein soll, womöglich durchdringt und auch mal schüttelt.
Kurz, sie steht nicht irgendwo da wie ein Turm oder eine Keksdose und gäbe eine Richtung an. Als solch ein dastehendes Ding könnte sie allenfalls solchen erscheinen, welche sich in Kulturräten, -Kommissionen und Ministerien mit Kultur als etwas beschäftigen, was da draußen irgendwo herumliegt und darauf wartet, dass sich ein Beamter darum kümmere.
Auf solche leitkulturellen Gedanken kommt also nur, wer so etwas wir Kultur nur aus der Ferne kennt. Aus seinem Büro.
Vor anderen Wörtern steht einer mit offenem Mund davor und weiß gar nicht. Bei Leitkultur geht es mir so. Leiten ist ein Verb und bedeutet so viel wie führen. Der Direktor einer Einrichtung heißt dann aus historischen Gründen unter beiden Möglichkeiten nur Leiter. Leitkultur immerhin wäre also auch Führkultur. Aber was heißt das?
Kultur für Führer? Leit- nicht Leiter- haben wir da. Also das ist es nicht.
Ich führe eine Abteilung oder einen Blinden. Sie werden tun, was ich sage, und zwar zu ihrem Besten. Sie werden dahin gehen, wo ich sage. So meinen die Grimms zum Verb leiten:
immer tritt bei ihm das bestimmen einer richtung und eines zieles für einen weg hervor.
Die Leitkultur hätte also vielleicht zu bestimmen, wo Kultur lang- und hingehe. Das tut Kultur nun nicht, sie geht eher selten im Raum umher. Leitkultur also gäbe den Leuten Richtung und Ziel.
Kultur, könnte einer hier meckern, gebe überhaupt keine Richtung und kein Ziel an. Sie ist ja kein Punkt oder Ort, auch bildlich gesehen eher nicht. Metaphorisch wäre sie doch eher etwas, was uns umgibt oder, wenn es sein soll, womöglich durchdringt und auch mal schüttelt.
Kurz, sie steht nicht irgendwo da wie ein Turm oder eine Keksdose und gäbe eine Richtung an. Als solch ein dastehendes Ding könnte sie allenfalls solchen erscheinen, welche sich in Kulturräten, -Kommissionen und Ministerien mit Kultur als etwas beschäftigen, was da draußen irgendwo herumliegt und darauf wartet, dass sich ein Beamter darum kümmere.
Auf solche leitkulturellen Gedanken kommt also nur, wer so etwas wir Kultur nur aus der Ferne kennt. Aus seinem Büro.
Es gibt neue Beiträge ...
Diese Tageszeitungsgegenwart auf dem Computer bringt es mit sich, dass da alle paar Minuten so eine Mahnfrage kommt. "Es gibt was Neues. Möchten Sie das nicht sehen?"
Man könne allerdings auch, so ein weiterer Vorschlag dieser unermüdlichen Neuheitenerzeuger, die Tageszeitungsseite zur Heimatseite machen. Dann wäre man jederzeit on Top oder so.
Es sei hier ein dritter Vorschlag erlaubt. Etwas wie ein ewiger Kalender oder wenigstens ein Almanach, Schmöcklegende will ja, dass die Leute derlei nur aus Mangel an richtigen Neuheiten gelesen hätten, könnte bei jedem Aufreißen der Seite, oder eben bei jedem Webzugang, etwas zum Nachdenken oder zum Freuen hinstellen. Frate Indovino bietet da etwas an, aber nicht fürs Web. Das würde besser gegen die Langeweile helfen als Nachrichten über Dinge wie Trump oder Klums oder Ukip oder was.
Das Denken und Freuen würde, so mein Vorschlag, nur in besonderen Fällen unterbrochen werden durch Nachrichten wie "Es fällt gerade eine riesige Bombe auf Ihre Stadt. Bringen Sie Ihre Gedanken in Ordnung!"
Man könne allerdings auch, so ein weiterer Vorschlag dieser unermüdlichen Neuheitenerzeuger, die Tageszeitungsseite zur Heimatseite machen. Dann wäre man jederzeit on Top oder so.
Es sei hier ein dritter Vorschlag erlaubt. Etwas wie ein ewiger Kalender oder wenigstens ein Almanach, Schmöcklegende will ja, dass die Leute derlei nur aus Mangel an richtigen Neuheiten gelesen hätten, könnte bei jedem Aufreißen der Seite, oder eben bei jedem Webzugang, etwas zum Nachdenken oder zum Freuen hinstellen. Frate Indovino bietet da etwas an, aber nicht fürs Web. Das würde besser gegen die Langeweile helfen als Nachrichten über Dinge wie Trump oder Klums oder Ukip oder was.
Das Denken und Freuen würde, so mein Vorschlag, nur in besonderen Fällen unterbrochen werden durch Nachrichten wie "Es fällt gerade eine riesige Bombe auf Ihre Stadt. Bringen Sie Ihre Gedanken in Ordnung!"
Klos
Dieser Herr Zizek, aber das schreibt man nicht so, ist allerdings ein rasender Quatschkopf. Das mit den Klos hat er immerhin, nach Erica Jong, auch gesehen. In Deutschland und den Niederlanden haben wir da diese Plattformen, wo wir uns betrachten können. Anderswo kennt man diese Bespiegelungsmöglichkeit nicht. Da fällt es unter Umständen einfach in ein Loch und ist weg, ohne dass einer Abschied nehmen könnte. Die einen sind eben reflexiver, die anderen, im Süden und so, sind es weniger.
Das führt naturgemäß zu Kulturschocks. In unserem damals neu gemieteten Einfamilienhäuschen gab es nämlich plötzlich beides, das altdeutsche Klo mit Aufsichtsplattform, es war, glaube ich, ein Modell San Remo, und eine Gästetoilette mit, wie das genannt wurde, Euro-Abgang. Was ein Gast war, der hatte eben gewisse Rechte und Möglichkeiten nicht. Kuchenessen ja, Herumstinken nein.
Vielleicht war das aber nur der Anfang und als nächstes verschwindet auch das gute altbackene Klo der Familie zugunsten so einer plitschenden platschenden Euroeinrichtung. Wie das so geht in Europa.
Das führt naturgemäß zu Kulturschocks. In unserem damals neu gemieteten Einfamilienhäuschen gab es nämlich plötzlich beides, das altdeutsche Klo mit Aufsichtsplattform, es war, glaube ich, ein Modell San Remo, und eine Gästetoilette mit, wie das genannt wurde, Euro-Abgang. Was ein Gast war, der hatte eben gewisse Rechte und Möglichkeiten nicht. Kuchenessen ja, Herumstinken nein.
Vielleicht war das aber nur der Anfang und als nächstes verschwindet auch das gute altbackene Klo der Familie zugunsten so einer plitschenden platschenden Euroeinrichtung. Wie das so geht in Europa.
Die Welt
ist voller Dinge, da reißt einer die Augen auf: er könnte ja stolpern, weil er dies oder das nicht erwartet hätte. Es gebe also, steht da in der Zeitung, Kultur-Experten nicht nur, und das mag ja nett sein, denn wenn es die nicht gäbe, könnte dies Kulturelle eben, wenn so was da ist, eh man sichs versieht, doch einfach vertrocknen, verschwinden oder vom Nordwind verpustet werden, sondern auch einen deutschen Kulturrat, vermutlich auch Kulturkommissionen und Kulturminister. Das ist wie bei Gärten, möchte mir scheinen. Gärtner, Gartenrat, Gartenminister.
Bei so viel Drum und Dran, steht ja zu hoffen, wird es das Ding selbst wohl auch geben. Aber kommt es alleine vor? Zur Zeit geht da eine Leitkultur um. Was die wohl leitet? Die Kultur? Also die andere? dieselbe? Wen?
Ich selbst warte zur Zeit auf das Auftreten der Exzellenzkultur. Deren Fehlen dürfte sich bald schmerzhaft bemerkbar machen.
Bei so viel Drum und Dran, steht ja zu hoffen, wird es das Ding selbst wohl auch geben. Aber kommt es alleine vor? Zur Zeit geht da eine Leitkultur um. Was die wohl leitet? Die Kultur? Also die andere? dieselbe? Wen?
Ich selbst warte zur Zeit auf das Auftreten der Exzellenzkultur. Deren Fehlen dürfte sich bald schmerzhaft bemerkbar machen.
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