martedì 11 aprile 2017

Eine neue exzellente Hochschule

Da es mit mir ja nun nichts mehr wird, gedenke ich, lila der letzte Versuch, etwas Exzellentes zu gründen. Liegt immer noch im Trend, oder?

Als erstes muss da, wenn wo was Exzellentes drin sein soll, auch  "exzellent" draufstehen. Kostet ja übrigens nichts. 

Diese Universität oder dieses College oder was das sein könnte, hätte ein längeres Aufnahme- oder Ausleseverfahren. Schriftliche Bewerbungen werden von einer Lehrergruppe gelesen und weitergereicht. Steht da etwas Seltsames? Ist das Anschreiben nur halb ausgedruckt? Gib es einem Kollegen: der übernimmt das dann, das Weitergeben. Stufe zwei: Auswahlgespräche, noch sind alle dabei, führen zum Ausschluss von Betrunkenen oder so Kopf- oder Augenrollern. Immer noch sind fast alle dabei. Doch diejenigen, welche jetzt einen Brief bekommen: "Wir freuen uns, Ihnen einen Platz bei uns anbieten zu können...", ja die werden sich, wie Psychologen das nennen, gebauchpinselt fühlen und voll Freude solch einen schwer zu ergatternden Platz einnehmen. Hoffen wir, dass Ausländer dabei sind. Internationale Exzellenzuniversität. Einfach besser. Auch fürs Ranking. 

Ein Teil der Lehrkräfte hätte Veröffentlichungen aufzuweisen. Das hilft beim Ranking. Nicht alle, denn solche mit zu viel Titeln haben so ihre übertriebenen finanziellen Ansprüche.  

Die Studenten, schon überzeugt, ganz ausgesucht zu sein, sind einer modernen Deadlines and Requirements-Prozedur auszusetzen, bei denen ihnen Hören und Sehen vergeht. Was sie da im Einzelnen vierzehntäglich oder wöchentlich so schreiben oder reden, ist da schon weniger belangreich. Wichtig ist der gefühlte Stress. 

Die Noten unserer Spitzenuni dürfen nicht allzu hässlich ausfallen. Aber das ist schnell geregelt: sagen wir, ab 85% richtiger Antworten bekomme einer ein A+, wie wir das jetzt nennen wollen. 

Exzellenz steht drauf, von Auswahl war die Rede, etwas Stress und ein paar Namen waren auch dabei. Nun gehen die Studis mit prima Noten hinaus in die Welt. Sind die zufrieden? Na klar. Und sie schreiben das auch, wenn sie gefragt werden. Gut fürs Ranking. 

So ist das. Ist ja eigentlich auch egal. Ich will es nur gern einmal selber versuchen.

In Ruhe gelassen werden

Als wir klein waren, interessierte sich keiner für uns. Wir waren einfach zu viele. So zog ich nachmittags unbeaufsichtigt ums Haus, ließ mir von einem Hausmeister die Welt und die Gärtnerei erklären oder stand mit anderen mehr oder weniger meines Alters vor dem Baggerloch, wo wir uns fragten, wie das geheimnisvolle Floß mitten auf den See gekommen sei.

In Ruhe durch die Welt zu ziehen ist mir daher immer einleuchtend erschienen, so als Lehrer oder etwas. Mit den hundert oder zweihundert Menschen, mit denen einer es da zu tun hat, muss er schließlich allein zurecht kommen. Andere haben dazu naturgemäß eher wenig zu sagen. 

Einmal habe ich dann aber in einer kommunalen Abendschule gearbeitet, wo die Direktorin wöchentliche Treffen ansetzte, bei denen jeder Lehrer sagen musste, wie gut es in seinen Klassen denn aussähe. Die andern, Sitzengebliebene und vom Leben Ausgelassene jeder Größe, nickten jeweils dazu und lächelten so. Das war aber nur ein kleiner Ausblick in die Zukunft.

Heute in so einem Exzellenzinstitut wird nämlich einem jeden grenzenlose Begeistertheit abgefordert. Treffen nach den Ferien, wo jeder von seiner Forschung erzählt, Applaus, Blumen für solche, die einen Extraexzellenzkurs abgeschlossen haben, Applaus, visionäre Vorträge, Applaus again. Vermutlich alles etwas Amerikanisches oder Bayerisches, ich hab das nicht so recht raus.