giovedì 9 marzo 2017

Dazu muss ich noch sagen (Barbaren)

Zu Beginn unserer germanistischen Studien gab es, nein: Gott seis gelobt, noch keine Erstsemesterwochen, dieses Teetrinken mit Anfassen wurde erst ein Jahr später erfunden, sondern einen kurzen Vortrag eines unserer Professoren, eines großen und bekannten, wenn ich das sagen darf. Der erklärte den Studenten, wer nicht seine siebzig Seiten am Tag lesen könne, solle lieber etwas anderes studieren, nicht ausgerechnet Literaturwissenschaft, wie das ja heißt. Diese doch eher sich von selbst verstehende und dem einen oder anderen vielleicht ein klein wenig überflüssig scheinende Bemerkung erregte großes Aufsehen. 

Heute dürfte auch so ein gewichtiger Lehrer dergleichen nicht mehr sagen, weil so ein Studentenarbeitstag per ECTS auf acht Stunden ausgerichtet ist wie der eines, welcher im Büro arbeitet. Das wird mit Erleichterung vernommen worden sein.     

Empörung

An der Jagiellonska in Krakow oder wie das heißt war ich auch einmal und der Germanistik-Professor, den Namen, etwas mit Dz am Anfang, habe ich leider vergessen, obwohl das vermutlich ein wichtiger Mann und, den Deutschkenntnissen seiner Studentinnen nach zu urteilen, ein begnadeter Lehrer war, hielt uns Deutschen einen Vortrag. Vielleicht war das mehr eine Beschimpfung. Er erklärte uns, wir wollten immer die dicken Maxe spielen, seien aber zutiefst ungebildet, weil wir doch nicht einmal den Wilhelm Meister gelesen hätten, Barbaren also. Einige meiner Begleiter waren empört. 
Hiho. 


Gesamtschule

Es war bei so einem Auswahlgespräch für irgendeine unterbezahlte Stelle in Bergamo. Sie kam mit hochrotem Kopf heraus. Das sei zu viel gewesen, erklärte sie. Die anwesenden Professoren hätten nämlich ihren Lebenslauf betrachtet und gefragt, warum sie denn eine Gesamtschule besucht habe. Ob sie Schwierigkeiten gehabt habe. Mir gegenüber gab sie kund, aus Frankfurt am Main zu stammen. Sie habe als junges Mädchen innigst gewünscht, etwa ein altsprachliches Gymnasium zu besuchen, aber in Frankfurt habe die SPD regiert und sowas hätten die schon damals längst abgeschafft gehabt.

Ich selbst habe einmal einer Gesamtschule in der Stadt, welcher Deutschland Horst Wessel und die Welt Tiefkühlpizza verdankt, einen kurzen Besuch abgestattet. Die hatten da nicht nur Kurse auf verschiedenen Stufen, sondern auch, wie mir erklärt wurde, ein Schulradio. Das kam mir alles ein wenig amerikanisch vor, obwohl ich solche bunte Industriearchitektur mit bunt lackierten freiliegenden Wasser- und Luftröhren doch noch in keiner Hollywood-Serie gesehen hatte. Ich bin jedenfalls nie wieder hingegangen. Wenn man bedenkt, dass die da heute mit hinreichenden A-Levels mit siebzehn Abitur machen, dann ist das doch auch überraschend, so aus sozialdemokratischer Sicht. 

Früher waren die Leute, die es amerikanisch wollten, einfach ausgewandert, und hatten die anderen zu Hause in Ruhe gelassen.