lunedì 17 aprile 2017

Wiederaufbau

Deutsche Städte haben ja etwas Vorhersehbares, was auf die Dauer auch launenbeeinträchtigend wirken könnte. Der Stadtkern ist nämlich stets nett hergerichtet oder, genauer gesagt, wieder herdekoriert worden, nachdem er ja in der Regel einmal gänzlich plattgebombt worden war, was doch auch seinen Grund gehabt haben dürfte. Dieses Wiederherbauen könnte nun auch eine gewisse Zukunftsunlust oder Rückwärtsneigung ausdrücken, welche einem doch auch die Freude am nächsten Morgen etwas ergrauen lässt. 

Um den Stadtkern herum führt stets eine siebenspurige Straße, welche nicht für jeden schön anzusehen ist, vor allem aber dem pfeifenden Fußgänger den Weg mit Verkehrslichtern und -zeichen ein klein wenig lang werden lässt. Er habe sich dort, möchte man ihm mitteilen, auf die wichtigeren in ihren Fahrzeugen einzustellen und jedenfalls,  als der Winzling der er ist, keine Eile zu haben. 

Anzüglichkeiten

Die jüngere der beiden Sekretärinnen, welche in dem Institut arbeiteten, wo ich auch einen Dreijahresvertrag hatte, soll nämlich eines Tages wahrheitsähnelnd bemerkt haben: "Der Herr Seiffarth, der hat ja eigentlich gar keinen Hintern!" 

Ich fand das, als es mir zugetragen wurde, aufmerkenswürdig, da ich immer den Eindruck gehabt hatte, was ich dann auch kundtat, die Damen schauten in der Höhe eher vorne auf das, was uns männliche Mitarbeiter da mehr oder weniger auszeichnete. Die ältere der beiden Vorzimmerdamen und Institutsseele lachte dann. Denn wenn eine am Schreibtisch sitze, erklärte sie, sehe sie sozusagen von selbst genau da hin. 

Schon damals waren solche Bemerkungen über Körperteile nur noch dann als lustig zu behandeln, wenn sie sich auf Männer bezogen. In Deutschland jedenfalls. In Italien hatte etwa zur selben Zeit einer noch meiner etwas großbusigen Freundin das, wie er meinte, Kompliment gemacht, sie sei sehr interessant, vor allem von vorne. Was mir als gutem Crucco sehr anzüglich, wenn nicht gar völlig unzulässig erschien. Nach zwanzig Jahren in dem Land hätte ich das nur noch als kleineren Abrutscher betrachtet.

Eine deutsche Kollegin aus dieser Zeit hatte, selbst seit langer Zeit in Mailand, aus irgend einem Ärger über Hamburger Kollegen denen stracks am Telefon erklärt, sie seien aber doch Arschlöcher. Damit war nicht einfach, wie es im Lande der Zitronenblüte gewesen wäre, dare dello stronzo a qualcuno, eine nur kurz anhaltende, wenn auch heftige Verstörung ausgedrückt, sondern jeder Kontakt abgebrochen, für immer. Denn in Hamburg, da konnte man so was nicht hinnehmen. So geht das, wenn es hin und her geht. Da wird einer lockerer, wie ihm scheint, aber andere sehen das nicht so. 

Es wäre aber doch erfreulich, möchte ich noch anmerken, wenn uns in der um- und vorgreifenden Gefühls- und Respektvorsicht doch ein wenig Luft zum Atmen bliebe. 

Berühmt werden

Wenn wir uns vorstellten, einmal bekannt zu werden, war das an das gebunden, was wir geschrieben hätten. Nach vielen Worten, Büchern wäre dann vielleicht ein Foto in der Zeitung oder sonstwo gefolgt: "Der sieht so aus", und das wäre der Ruhm gewesen.

Die heute Fotos und Filmchen  hinaussenden in die Welt, verfahren also umgekehrt. Sie warten auf das Echo der anderen: Gefühl und Anerkennung oder Verehrung in fremden Worten, weil sie selbst, so ist anzunehmen, die eigenen nicht fänden oder jedenfalls die Mühe scheuten und sich deshalb auslieferten. 

Natürlich hätte man auch früher so etwas wie Claudia Fischer oder Thomas Gottschalk oder Helmuth Kohl werden können, etwas wie ein Film mit Namen dran. Wenn die etwas sagten oder schrieben, kam so ein Lächeln auf. 


Es steht da

Es gibt da ein Büchlein mit Kirchenbuchauszügen über die Familie meiner Mutter, in dem Familie und Hof seit 1310 bezeugt sind. 

Quelle der freudigen Überraschung war nicht, was wir sind oder gewesen sind, sondern allein, dass wir da schon geschrieben stehen: "Van der Vorwerken, 3 Schweine".