mercoledì 1 febbraio 2017

Dynamische Volluniversitäten

Also zunächst halten wir fest:

Die TU Bullerbü ist eine der elf Exzel­len­z­u­ni­ver­sitä­ten Deut­sch­lands. 

Elf Exzellenzen, das sind eigentlich eine ganze Menge. Wie unterscheiden wir uns? 

Als Voll­u­ni­ver­sität mit brei­tem Fächer­spek­trum zählt sie zu den for­schungs­s­tärks­ten Hoch­schu­len. 

"Als" (wieso eigentlich "als"?) "Volluniversität", im Gegensatz zu den bekannten Teiluniversitäten, bietet diese TU (!) nicht nur ein "breites Fächerspektrum" (optische Metapher: Vielfarbigkeit bis ins Verschwinden), sie ist auch? forschungsstark? forschungstärkst! (Muskelmetapher, aufgepasst!). Also nicht etwa fortschrittsschönst, nicht geistfidelst, nicht gedankentreust. Schon gar nicht lernkräftigst. Auf derlei kommt es nicht an. Das ist in so einer Stellenanzeige ein netter Wink: wir suchen nicht einfach einen Lehrer, wie die andern alle. Zudem sind uns "Austausch" und "Kooperation" wichtig, nämlich "zwi­schen den Wis­sen­schaf­ten" (also nicht etwa beim Kaffeetrinken zwischen Wissenschaftlern, nein! "zwischen den Wissenschaften": an unserer TU hier riecht es nach Gremien), und, ach, auch "mit Wirt­schaft und Gesell­schaft". Da träumt man vielleicht vom Essengehen mit der Handelskammer? Was auch immer hier gemeint sein mag ("Gesellschaft"? "und"? "Wirtschaft"? Max Weber?), es hat wohl damit zu tun, dass man sich nützlich machen will. Oder es soll nur so aussehen, denn am Ende:  

Ziel ist es, im Wett­be­werb der Uni­ver­sitä­ten auch in Zukunft Spit­zen­plätze zu bele­gen. 

Das hatten wir schon immer geahnt, dass es nicht ums Wissen gehen könne, wenn der Staat Geld für etwas anderes als Autobahnen rausgibt. Doch ist der Spitzenplatz nicht das einzige Ziel. An diesem, bekundet die TU, und

am Erfolg beim Trans­fer von Grund­la­gen­wis­sen und For­schung­s­er­geb­nis­sen mes­sen wir unsere Leis­tun­gen in Lehre, Stu­dium, For­schung und Wei­ter­bil­dung

Mehr so eine Vermittlereinrichtung, diese TU? War nicht zuvor von Forschung die Rede gewesen? Am "Erfolg beim Transfer" "messen wir unsere Leistungen in" der "Forschung"? 

Das ist nämlich so: "Wis­sen schafft Brü­cken". Optimismus kann ja nicht schaden. Und das nicht wie hier bei meinem Metzger gegenüber, der seit 1967 da ist, sondern "seit 1828". 

Nasenbären, die so etwas schreiben, gibt es natürlich an jeder Universität. Sie werden dafür bezahlt und haben in der Regel eine Lebensstellung. Und das an jeder Universität. So kommt es, dass auch anderwärts ein Ausschreibungstext mit einem selbstschulterklopfendem Aussagesatz beginnt.

Die Fluss-Universität Takkatukka (FUT) ist eine der führenden Forschungsuniversitäten in Deutschland. 

Was mag nun das Gegenteil von "Forschungsuniversität" sein? Lehranstalt? Nennen wir es Schule. Hier hingegen geht es zu wie in München. Aber schon schießt wieder ein "als" ins Feld: "als reformorientierte Campusuniversität". Klingt eher norddeutsch, oder? Relevanzfrage, Mitbestimmung, Studentengenörgel, Sekretärsrechte! Und doch, unsere Universität "vereint" "in einzigartiger Weise die gesamte Spannbreite der großen Wissenschaftsbereiche an einem Ort." Was nun die Spannbreite von Bereichen sein solle? Mysterium tremendum. Aber so viel scheint klar: Die kleinen bleiben draußen. Das ist aber nicht so schlimm, denn an der FUT tobt "das dynamische Miteinander von Fächern" nicht nur, sondern gar von "Fächerkulturen". Das Ganze bewegt sich. Es lebt. Es gab da mal eine Reklame für Joghurt. Aus der Tiefe des Kühlregals kam eine Stimme. Bakterienkulturen.

So ein dynamisches Miteinander ist vermutlich nett. Nur kann es nichts mit Wissenschaft zu tun haben. Die ist nicht dynamisch.