giovedì 23 febbraio 2017

Studieren

Da hat nun einer so eine britische Oh-Universität besuchen wollen. Ich habe ihm gesagt, das sei sowieso egal, wenn es vielleicht nicht gerade in Ostwestfalen ist, wo einer studiere. Eine gute Bibliothek müsse es geben, vielleicht ein paar Theater in der Stadt und Museen. Denn es gehe doch, so weit meine Vorstellung, nur darum, sich irgendwo fünf Jahre oder ein bisschen länger hinzusetzen und zu lesen, was einer später im Leben, wenn er einmal arbeitet, nur wochenend- und feierabendmäßig tun könne, und im eher seltenen Glücksfall jemanden zu treffen, mit dem über Gelesenes zu sprechen sei. 

Vielleicht werde sich gar, nach einer gelungenen Hausarbeit oder dergleichen, irgendein Kreis oder Zirkel oder Grüppchen von irgendwem öffnen, wo nämlich das zu lernen sei, was in Vorlesungen und Seminaren mit den üblichen Nichtlesern, Sozialkritikern und Hinterherbleibenden eben nicht gelernt werden könne. Doch das, habe ich gesagt, sei irgendwo zu finden oder eben nicht, das sei eben ebenfalls eine Frage des Glücks. Und jetzt kommt heraus, in dieser britischen Dingsda habe der in einem ganzen Jahr keinen Professor zu Gesicht bekommen, sondern nur Doktorierende oder sonst Unterworfene und -gebene mit wenig Erfahrung und noch weniger Kenntnissen. Viel Geld und Zeit ist da sozusagen in den Weltraum hinausgeflogen und weg.

Da habe ich, muss man das nicht zugeben? doch recht gehabt. Vielleicht kommt es bei alldem aber auf ganz anderes an. 

Das Streberfahrrad

Jede Art Mensch hat ein ihr gemäßes Beförderungsmittel. Ich fahre so ein Hollandrad, welches in eine Zug zu hieven mir eine außerordentlich übertriebene Anstrengung abverlangte, ganz zu schweigen von dem möglichen Ärger, wenn das Ding quer zu stehen käme und anderen den Ducrh- oder Ausgang versperrte.

Andere, gescheitere hingegen haben schon am allerfrühesten Morgen auf dem Bahnsteig ein kleines blitzendes Metallpaket bei Fuß, mit welchem sie ruckzuck in den Zug einsteigen oder -springen. Damit nicht genug, verwandeln sie, zwei Minuten vor Ankunft oder unmittelbar nach dem Aussteigen, mit genau vier Bewegungen, davon zwei abgemessenen Drehungen, sowie mittendrin einem scharfen "Klack Klack", das ist Männersache, so viel ist klar, ihre Metallpaketchen in niedliche Bürgersteigfahrradlein, mit denen sie, so steht es zu befürchten, dann 500 Meter weit in ein modernes Büro zuckeln. Weiter kann es kaum sein, denn das Ding, welches so aussähe wie etwas, was ich einer fünfjährigen Nichte schenken würde, blitzte es nicht gar so chromig, fährt kaum mehr als acht Kilometer pro Stunde. Zu Fuß schafft man etwa sieben.

Aber wie sie da, ausrasierte Nacken könnten etwa blond in der Morgensonne leuchten, hinwegradeln, das hat so etwas Optimiertes, vollkommen Eingerichtetes und durch und durch Wohldurchdachtes, dass einem fast neidisch zumute werden könnte.  

 

Kontaktekonferenz (Fundstück)

"Der Begriff ›Literaturkontakt‹" meine "in der Regel den Transfer zwischen zwei Nationalliteraturen". 

Annahme also: es gebe zwei Literaturen, welche, man weiß ja nicht wie, national seien, sagen wir mal, die deutsche und die italienische, eine hier und eine da, und dann träten diese beiden Dinger in Kontakt miteinander. Sie werden sich bekannt vorkommen, die beiden. Die eine hätte nämlich ohne die andere gar nicht sein können, was sie gewesen ist, Es gäbe sie gar nicht. Und es gibt diese zwei getrennten Dinger nicht, die dann in Kontakt treten könnten. Bei aller Freude an Psycho- oder IPhone-Metaphorik kann man das natürlich leicht einmal übersehen.       

"Diskutiert" würden "1) Kontaktmomente zwischen Texten unterschiedlicher Herkunft": Makkaroniroman trifft Cruccoroman, das gibt natürlich ein großes Hallo. 

"2) die literarische Darstellung von Kontaktmomenten zwischen verschiedenen Kulturräumen": Räume kontaktieren und jemand schreibt darüber. Vermutlich etwas sehr Poetisches.  

"3) Kontaktmomente zwischen Texten und ihren Vermittlern im Literaturbetrieb". Da treffen ein Buch und ein Kopf aufeinander usw. Das alles, also diese "drei Ebenen des Literaturkontakts", ja holla, warum nicht Stockwerke des Kontakts oder Schichten des Transfers? natürlich "in synchroner wie diachroner Hinsicht". 

Denn diese Kontakterei finde "bisher nur am Rande Eingang in die literaturwissenschaftliche Forschung". Na klar, rasend neu das alles.