martedì 21 febbraio 2017

Der Superlativ

Angenommen, ein Toyboy wolle seiner Sugar mummy oder seinem ebensolchen Daddy etwas mitteilen wie: "Wenn du mir nicht mehr Geld gibst, verkaufe ich mich auch anderwärts!" Dann könnte er, sofern des Deutschen mächtig, eine etwas schönere Wendung finden, wenn er nur Stellenangebote von deutschen Universitäten durchsähe. Was er vielleicht ja auch tut. Als Akademiker hat man es nicht immer leicht.

Gewisse Superlative schienen mir einmal, ich könnte nicht sagen warum, weit aus dem Osten gekommen zu sein, also mindestens China oder so etwas. Jedenfalls kamen Sätze nach folgendem Modell von östlich der Bundesgrenze: "Der Generalsekretär der Bliblablu begrüßte den Vorsitzenden der Tätterä auf das herzlichste!" Wir bekamen ja sogar Bilder von diesen herzlichsten Begrüßungen zu sehen, und diese brüderküssende Herzlichstkeit habe ich anrührend gefunden. Als das dann weg war, war ich daher ein klein wenig traurig. Doch nun ist er wieder da, der Superlativ. 

Unsere Universitäten sind, nach eigener Aussage, nicht nur Spitzen- oder Überspitzenuniversitäten. Sie sind auch forschungsstärkst, und bei diesem Welten erobernden Entdeckermuskelspiel sehen wir, wenn man das sagen darf, naturgemäß alle gern zu. Nun aber, und das könnte besagten Toyboy interessieren, habe ich einen neuen Superlativ gefunden: drittmittelstärkst. 

Unüberbietbar, süß, cool, krass, fett oder knorke finde ich nun allerdings die superlativische Selberfeier der Universität Flensburg. Diese sei, so sie selbst, die nördlichste Universität Deutschlands. Also jedenfalls schon mal nicht in Bayern.





Lesen könnte einfach sein

Warum ich ausgerechnet an diesem Nachmittag dieses Buch kaufte, weiß ich nicht. Vielleicht hat mich der Titel angezogen? "Dämonen", die von Dostojewski. Jedenfalls begann ich abends zu lesen, las die ganze Nacht durch, den nächsten Tag weiter und so, wenn ich mich recht erinnere, drei Tage lang. Meine in diesen Tagen stattfindenden Seminare und Vorlesungen zu besuchen, wäre mir nicht eingefallen. Ich hatte besseres zu tun.

So ging das natürlich öfter. Unerreicht bleibt allerdings das Vorbild des Grünen Heinrich, welcher erzählte, er sei zwei Wochen nicht aus dem Bett gekommen, da er Goethe zu lesen gehabt habe.

An der Universität sagte übrigens niemand etwas. Es war einfach normal, dass unsereins ab und zu verschwand, weil er, so die Hoffnung, etwas besseres zu tun hatte. Heute ist diese Hoffnung offenbar verflogen. Was soll einer besseres zu tun haben, als unsere Kurse zu besuchen?

Seit jenem Prozess, den wir nur verschwommen Bologna nennen, weil das, was da geschehen ist, zu schauderhaft wäre für ein menschliches Gemüt, wird allenthalben die Anwesenheitspflicht unterstrichen. Mehr als 20% darf so ein Student von heute nicht mehr fehlen. Keine Zeit zum Lesen. 


Lesen kann einfach sein und andere Aufregungen

"Und der Mut ist so müde geworden und die Sehnsucht so groß. Es gibt keine Berge mehr, kaum einen Baum. Nichts wagt aufzustehen". Was sollte das? Müder Mut immerhin, das war schon einmal etwas. Da klopfte es an meiner Wohnungstür. 

Vor mir stand Detlef, und er war sehr aufgeregt. "In der Weserstraße brennen Barrikaden!" Ich antwortete nichts. Ich wusste ja, dass draußen tobte, was sie den Häuserkampf nannten. Da geschehen viele Dinge, da draußen. Das weiß ich schon. 

Detlef schaute mich böse an. ich nehme an, es war, weil ich nichts zu sagen wusste. Weltbewegende Dinge können einem doch auch ein klein wenig gleichgültig sein, oder nicht?

Mein Freund lief weg. Vermutlich hatte er wichtige Dinge zu erledigen, während ich zu meinem Buch zurückkehren konnte.

"Reiten, reiten, reiten. Durch den Tag ..." Ich hätte durchaus auch häuserkämpfen können. Vielleicht wäre eine bessere Wohnung für mich dabei herausgesprungen. Ich wohnte in zwei Zimmern mit Außenklo. Mein Nachbar war ein Säufer, der mir ab und zu nachschrie: "Langhaar, mach´s Scheißhaus sauber!" 

Doch hatte ich drinnen einen oder zwei oder mehr Plätze zum Lesen. 

(Wahrscheinlich war es gar nicht die Weserstraße, aber irgendwo in der Nähe, aufgeregt wie der war.)