Eine junge Frau öffnet mir die Tür. Dunkelhaarig, dunkel die Haut, schwarz die Augen. Schön.
"Ich such Parameros", erkläre ich.
"Sitzt sinnend im Garten."
Mein Freund auf einem Stein.
Er sieht mich kommen und steht auf.
"Nun, Zenos? Es wurde langsam Zeit. Du konntest doch nicht ewig in Pergamon bleiben!"
"Du bist ja auch immer noch hier. Zwischen Pergamon und Smyrne!"
"Was soll ich wandern?"
"Im Sitzen ist nicht gut Denken! Doch habe ich da
eine Frau gesehen. Hübsch."
"Daphne schreibt auch Gedichte. Soll ich sie rufen?"
"Es werden seltsame Zeiten kommen. Das Schicksal eines Mannes wird auch von der Frau abhängen, mit der er lebt."
"Ja. Oder vom Mann, mit dem ...". Er lacht.
Ich lache nicht: "Ganz egal. Dann schreibst du jetzt auch süße Dinge?"
"Eine Abhandlung über Liebesworte."
"Hast du wirklich nichts Besseres zu tun?"
"Etwas auf halbem Weg zu schreiben, das scheint mir das Beste."
"Es gibt keinen Weg. Nicht schreiben wäre übrigens auch eine Möglichkeit, vor allem: nichts hinterlassen. Den Fliegen keine Freude."
"
martedì 19 novembre 2019
Fort 2
Es ist genug. Meinen letzten Schüler nach fünf Jahren entlassen, grüße ich meinen Freund Eukrates. Ich will mich auf den Weg nach Smyrne machen.
"Wie oft haben du und ich / die Sonn mit unserm Gerede ermüdet, dass sie schlafen ging?"
"Ach, Zenon, du wirst ja doch bald wiederkommen. Was, denkst du, ist in Smyrne los oder in Athen? Selbst Alexandria verkauft sich an die Römer!"
"Mag sein. Dann ist eben alles falsch, wenn das so ausgeht. Dann muss ich noch weiter."
"Du meinst, der Fehler steckt schon im Gymnasium?"
"Ach! Schau hier den Berg hinauf: drei Stockwerke, nach Lerndauer, erst eins, dann zwei, dann drei. Warum so? Wozu diese Ordnung?"
"Schon Pythagoras hatte die!"
"Ja, der saß hinter einem Schleier ... wir stehen vorne, vielleicht ist es das?"
"Die Schwelle?"
"Eher der Weg, der zu ihr hinführt. Es gibt diese Schwellen, immer wieder einmal. Aber wie einer der näher kommt und wann und warum?"
"Wie oft haben du und ich / die Sonn mit unserm Gerede ermüdet, dass sie schlafen ging?"
"Ach, Zenon, du wirst ja doch bald wiederkommen. Was, denkst du, ist in Smyrne los oder in Athen? Selbst Alexandria verkauft sich an die Römer!"
"Mag sein. Dann ist eben alles falsch, wenn das so ausgeht. Dann muss ich noch weiter."
"Du meinst, der Fehler steckt schon im Gymnasium?"
"Ach! Schau hier den Berg hinauf: drei Stockwerke, nach Lerndauer, erst eins, dann zwei, dann drei. Warum so? Wozu diese Ordnung?"
"Schon Pythagoras hatte die!"
"Ja, der saß hinter einem Schleier ... wir stehen vorne, vielleicht ist es das?"
"Die Schwelle?"
"Eher der Weg, der zu ihr hinführt. Es gibt diese Schwellen, immer wieder einmal. Aber wie einer der näher kommt und wann und warum?"
Zehn Stellen
Am Tor der Akademie stehen junge Männer.
Es gebe jetzt zehn Stellen für fortgeschrittene Studenten, erklärt man mir. Was das sein mag?
Ich frage nach. Zehn begabte junge Männer sollten drei Jahre lang hier etwas zu essen bekommen und einen Schlafplatz haben. Tagsüber dürften sie hier sitzen und lesen und schreiben. Mehr als Stellen handle es sich also um Sitzplätze, bemerke ich.
Sie stehen für einen Sitzplatz an und warten auf das Urteil einer Kommission, welche ihnen bescheide, ob sie würdig seien oder nicht.
"Bin ich es Wert, einen solchen Platz in der Akademie zu bekommen?" Welcher freie Mann fragte so etwas?
Es gebe jetzt zehn Stellen für fortgeschrittene Studenten, erklärt man mir. Was das sein mag?
Ich frage nach. Zehn begabte junge Männer sollten drei Jahre lang hier etwas zu essen bekommen und einen Schlafplatz haben. Tagsüber dürften sie hier sitzen und lesen und schreiben. Mehr als Stellen handle es sich also um Sitzplätze, bemerke ich.
Sie stehen für einen Sitzplatz an und warten auf das Urteil einer Kommission, welche ihnen bescheide, ob sie würdig seien oder nicht.
"Bin ich es Wert, einen solchen Platz in der Akademie zu bekommen?" Welcher freie Mann fragte so etwas?
Pergamon 1
Verbindungen sind hier jetzt wichtiger als alles andere. Dass sie nicht abrissen, ja, verstärkt würden, ist Ziel aller Bemühungen.
Straßen wachsen übers Land. Sand weht durch die Stadt.
Die Bibliothek versinkt im Staub. Wohin sind die Kopisten? Was wird aus den Pergamenten?
Die meisten unserer Schüler sind römische Knaben. Die reichen Familien der Stadt senden sie her, dass sie das wichtigste lernten: in der Öffentlichkeit mit Geschick zu sprechen. Denn sie sollen einmal regieren.
Für diese jungen Leute brauchen wir keine Pergamente. Fünfzehn Grundbegriffe, eine Reihe von Progymnasmata: nach einem Jahr wissen die Schüler alles, was sie in einer Stadt wie Rom wissen müssen. Geturnt haben sie dann auch genug. Sie fahren wieder fort und wir erwarten schon den nächsten Jahrgang.
Meine Freunde unterrichten schon lange nicht mehr in den Gärten. Am Gymnasium stehen sie herum und sammeln Schüler. Man hat dort auch Häuser gebaut, wo viele junge Menschen zusammengeschlossen und unterwiesen werden. Schulen für Rhetorik. Mit derlei lässt sich heute Geld machen.
"Was ist mit der Dichtung? was mit den Bildern, den ausgesuchten, den herbei- und ausgelesenen?" frage ich nach einem weggearbeiteten Tag. Es ist ein müdes Fragen.
Sand und Staub hier.
Straßen wachsen übers Land. Sand weht durch die Stadt.
Die Bibliothek versinkt im Staub. Wohin sind die Kopisten? Was wird aus den Pergamenten?
Die meisten unserer Schüler sind römische Knaben. Die reichen Familien der Stadt senden sie her, dass sie das wichtigste lernten: in der Öffentlichkeit mit Geschick zu sprechen. Denn sie sollen einmal regieren.
Für diese jungen Leute brauchen wir keine Pergamente. Fünfzehn Grundbegriffe, eine Reihe von Progymnasmata: nach einem Jahr wissen die Schüler alles, was sie in einer Stadt wie Rom wissen müssen. Geturnt haben sie dann auch genug. Sie fahren wieder fort und wir erwarten schon den nächsten Jahrgang.
Meine Freunde unterrichten schon lange nicht mehr in den Gärten. Am Gymnasium stehen sie herum und sammeln Schüler. Man hat dort auch Häuser gebaut, wo viele junge Menschen zusammengeschlossen und unterwiesen werden. Schulen für Rhetorik. Mit derlei lässt sich heute Geld machen.
"Was ist mit der Dichtung? was mit den Bildern, den ausgesuchten, den herbei- und ausgelesenen?" frage ich nach einem weggearbeiteten Tag. Es ist ein müdes Fragen.
Sand und Staub hier.
Sigillum qualitatis
"Wo hast du das her?" frage ich Eudoxos.
"Das Qualitätssiegel? Ach, zu uns kommt jedes Jahr eine Kommission aus Rom."
"Und du schaffst schöne Jungs her ..."
Er seufzt. "Die gute alte Zeit, nein, nein, die von heute, die hospitieren."
"Sie sitzen dabei, während du lehrst?"
"Genau. Und vorher überprüfen sie deine Qualifikationen!"
"?"
"Ob und wo und was du studiert und ob du Kurse für Lehrer besucht hast ..."
"Wo gibt es die denn?"
"In Rom! Am Ende bekommst du eine Note."
"Einen Zahlenwert?"
"Mindestens neun von zehn Punkten musst du bekommen."
"Von den Römern? Was verstehen die denn?"
"Nichts."
"Was also bedeutet dann das Qualitätssiegel?"
"Dass die reichen römischen Familien ihre Kinder herschicken."
"Das Qualitätssiegel? Ach, zu uns kommt jedes Jahr eine Kommission aus Rom."
"Und du schaffst schöne Jungs her ..."
Er seufzt. "Die gute alte Zeit, nein, nein, die von heute, die hospitieren."
"Sie sitzen dabei, während du lehrst?"
"Genau. Und vorher überprüfen sie deine Qualifikationen!"
"?"
"Ob und wo und was du studiert und ob du Kurse für Lehrer besucht hast ..."
"Wo gibt es die denn?"
"In Rom! Am Ende bekommst du eine Note."
"Einen Zahlenwert?"
"Mindestens neun von zehn Punkten musst du bekommen."
"Von den Römern? Was verstehen die denn?"
"Nichts."
"Was also bedeutet dann das Qualitätssiegel?"
"Dass die reichen römischen Familien ihre Kinder herschicken."
Sprachkurs B1, nicht von heute
Find the difference
Exemplum ad pueros in simplici narratione excercendos
Experrectus surrexi e lecto, indui tunicam cum thorace … deinde egressus cubicolo, descendi infra, urinam in area reddidi ad parietem, accepi frigidam aquam e situla, manus et faciem lavi.
Mathurin Cordier: Colloquiorum Scholasticorum Libri Quatuor, Paris 1568, Buch 2, Colloqium 54:
zit.n. Norbert Elias: Der Prozess der Zivilisation Bd. I, 8. Aufl. Ffm. 1981, S.185.
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