Wenn tatsächlich, wie man ja sagt, heute alles so husch husch vorbeiginge, das einer gar nicht mehr wüsste, wo er oder sie ein klein wenig Halt finden könnte, so sehr raste und hetzte alles dahin, dann wäre es immerhin erfreulich, ab und zu das eine oder andere wiederzuerkennen.
In den goldenen Jahren der Deutschen Demokratischen Republik soll es ja eine erzieherische Einrichtung namens Selbstkritik gegeben habe. Ein gewisses Väterchen hatte dazu nämlich, wie man in Berlin sagt, erklärt gehabt, "Ohne
Selbstkritik - keine richtige Erziehung der Partei, der Klasse, der Massen -
kein Bolschewismus", und das wäre ja auch traurig gewesen.
Plenzdorff hat dieses Verfahren der Selbstveredelung durch verständige Selbsterklärungen kurz zusammengefasst: "Ich sehe ein... Ich werde in
Zukunft..., verpflichte mich hiermit... und so weiter!"
Heute muss ein Student in angelsächsischen und solche anderwärts nachahmenden Universitäten bei schwachen Leistungen, irgendwie heißt das dann F oder mehrere Ds, damit rechnen, von seiner Erziehungseinrichtung weggeschickt zu werden. Das kann einer auch abwenden, indem er einen Appeal an sein University oder College oder beides oder wie das jetzt heißt, schreibt oder einen Probation contract ausfüllt und unterschreibt, in dem er "shows that
he understand what went wrong, shows that he takes
responsibility for the academic failures, shows that he has a plan for
future academic success."
Der Sünder erklärt, schwache Leistungen seien ein Problem, dieselben seien seine Schuld und in Zukunft wolle er sich bessern. Das hat so etwas Stalinsches an sich, dass einem ganz vertraut zumute wird in dieser hastigen eiligen Welt.