Im Werke Friedrich Nietzsches fällt ja unter anderem mitunter eine gewisse Nachlässigkeit des klassisch gebildeten Denkers auf, denn der hat doch offenbar Bücher wie die Kritik der reinen Vernunft nicht gelesen und wir heute haben da leicht das Gefühl, so etwas sei aber nicht möglich. Wie soll, fragen wir uns dann, einer ein großer Denker werden, wenn er vorher nicht gründlich studiert hat? "Wie? Keine Denkausbildung, kein Denkdiplom?"
Ähnliches ließe sich von Kierkegaard sagen, der zwar alle deutschen Romantiker auswendig kennt und gar Grabbe zitiert, aber sonst? Hat der denn wohl den Spinoza und Kant und alles fleißig gelesen? Vermutlich nicht.
Wenn einer im Leben was zu schreiben hat, könnte man ja auch meinen, hat er keine Zeit für so etwas, wie ja auch unter Umständen auch fürs Waschen nicht, wie Arno Schmidt bemerkt.
Kurios wird es vielleicht dann, wenn sich einer als Neu- oder Alt- oder Links- oder Rechtskantianer, je nachdem, ausgibt, aber den Kant nicht kennt, wie der Max Weber. Marianne lügt hier nämlich oder fällt auf Märchen ihres Mannes herein.
Aber so ist das.