sabato 15 aprile 2017

Weniger lesen

Im Werke Friedrich Nietzsches fällt ja unter anderem mitunter eine gewisse Nachlässigkeit des klassisch gebildeten Denkers auf, denn der hat doch offenbar Bücher wie die Kritik der reinen Vernunft nicht gelesen und wir heute haben da leicht das Gefühl, so etwas sei aber nicht möglich. Wie soll, fragen wir uns dann, einer ein großer Denker werden, wenn er vorher nicht gründlich studiert hat? "Wie? Keine Denkausbildung, kein Denkdiplom?"

Ähnliches ließe sich von Kierkegaard sagen, der zwar alle deutschen Romantiker auswendig kennt und gar Grabbe zitiert, aber sonst? Hat der denn wohl den Spinoza und Kant und alles fleißig gelesen? Vermutlich nicht. 

Wenn einer im Leben was zu schreiben hat, könnte man ja auch meinen, hat er keine Zeit für so etwas, wie ja auch unter Umständen auch fürs Waschen nicht, wie Arno Schmidt bemerkt. 

Kurios wird es vielleicht dann, wenn sich einer als Neu- oder Alt- oder Links- oder Rechtskantianer, je nachdem, ausgibt, aber den Kant nicht kennt, wie der Max Weber. Marianne lügt hier nämlich oder fällt auf Märchen ihres Mannes herein.

Aber so ist das.


Persönlichkeit

Zu den Rätseln, welche am Sternenhimmel und in Stellenanzeigen mich zu verehrender Betrachtung treiben, zählt neuerdings das Wort Persönlichkeit, mit dem Universitätsverwaltungen beschreiben, wie sie sich ihren neuen Professor vorstellen. Das liest sich jetzt so: "Gesucht wird eine promovierte Persönlichkeit im Bereich Geodäsie". Was mögen sie nur meinen? Streber mit Charakter?

Der DUDEN erklärt dazu, Persönlichkeit habe erstens jeder, sei zweitens ein "Mensch mit ausgeprägter individueller Eigenart". Tick tuts auch. Dem Wettstreit der eigenartigen Promovierten beizuwohnen, gewährte sicher eine ganz eigene Freude. 

Philosophisches

Eine Frage, welche mich hin und wieder, wenn auch nicht übermäßig, beunruhigt, ist die, warum ein moderner Staat mit seinem computergestützten Steuereinzugsverfahren und seinen Bürgersteigen und Bildungsoffensiven und Paraden so etwas finanzieren sollte, was sich Philosophieinstitut nennt. 

Was wir da in den letzten fünfzig Jahren beobachten könnten, nämlich die Auflösung allen Denkens in wissenschaftliche Aufsätze, gäbe vielleicht eine Antwort auf diese Frage. 

Die Philosophie ist denen Staatslenkern ein wenig gruselig oder unheimlich, weshalb man sie lieber nicht allein herumlaufen lassen möchte.

Sprachbildung

Als in Berlin die Kebbabaros, welche da aber nicht so heißen, weshalb kursiv, dahinter kamen, dass sie mit viel weniger Material weitaus mehr Geld verdienen, nämlich Pizza machen und verkaufen könnten, las ich da einmal auf so einer außen aushängenden Tafel: "Tückische Pizza", was mich zugleich erfreute und beängstigte. 

Mehr solcher erhellenden Sprachschöpfungen will ich von der Zukunft erhoffen und erbitten. 

Schwebereligon

"Osten, Westen, z´Haus ist´s am besten", geht ein niederländisches Sprichwort, und wenn etwas die rätselhafte Schwebereligion Bettina Brentanos und Karoline Günderrodes zu bestimmen helfen könnte, wäre es der Gegensatz zu solcher Erdenkleberei. So kommt, wer herumkommt, doch am Ende hinter sich.