sabato 18 marzo 2017

Zitieren

Warum wir nun, statt einfach den guten hundertjährigen Zitierregeln zu folgen, ausgerechnet den Nordamerikanern das Quellenangeben nachmachen, ist mir wunderbar. Warum nicht den Tasmanen?

Jetzt bleibt uns nur noch die Wahl zwischen APA, wo da P drin für Psychologe steht, und Chicago, was ja auch einbildungsanregend auf uns einwirken könnte.

Bei APA gibt es immerhin auch das &, wenn zwei Verfasser von etwas genannt werden sollen. Das ergibt nun firmengesichtig Möglichkeiten wie Lehmann & Sons, was, wissenschaftserzeugend gesehen, nicht ganz neue, aber immer viele Möglichkeiten eröffnet.

Untergang

Das Wetter ist nicht freundlich. Wüste Wasser zerdrücken Deiche. Das Wasser steigt, der Himmel schaut düster drein. Das könnte ja das Ende sein. "Schon?" fragt der Gründungspräsident der europäischen Exzellenzinitiative die Innovationsmanagerin der Qualitätsoffensive. Schluchzt sie? Schneuzt er sich? Sie hatten sich doch noch so viel vorgenommen. 

Der Sturm fegt. Jetzt kommt Feuer. Rauch, Dampf. Die Erde bebt. 

Geschrei? Ergebung? Nein, einfach zu viel zu tun. Alles hastet, wühlt, kramt, läuft. Zu retten, was zu retten ist. Zeugnisse, Diplome, Titel. Der Herr wird sie lesen, der Herr wird sich freun. Nun der Reihe nach. Beste Noten zuerst. Halt! Was ist mit dem Ranking? 

Nebel. Alle noch da. Da liegen sie, Blätter in der Hand. Bald wird vielleicht alles wieder grün sein. 


Teaching Philosophy

Wer sich in den States bewirbt, wird um eine ein- bis eineinhalbseitige Teaching Philosophy gebeten. Frisch am Werk, dachte ich mit der einen oder anderen Erklärung des Lehrerseins von Michel Serres zu beginnen, welche ich dessen lustigen Buch "Der Parasit" zu entnehmen vorhatte. Doch nein. Ohne Hilfe einer genaueren Erklärung war da wohl nicht viel zu machen. Das sollte ja nicht 20 Seiten umfassen. 

Was früher als Betriebsanleitung unleserlich klein und mehrsprachig fehlerhumpelnd jedem Ding beigefaltet oder in Extrakästchen einbruchssicher nahegelegt war, suchen und finden wir heute auf Internetseiten. 

Solch eine Teaching Philosophy, stand da, solle Schlüsselworte enthalten. Deren erstes war Inklusion, also der Gedanke, ein Seminar über die Kritik der reinen Vernunft sei so zu gestalten, dass weder Gehörlose und Schieler noch gar Vertrottelte und Schnarchköpfe auf dem Weg zum sicheren Weg verloren gingen. Dass da das Buch dabei vielleicht irgendwie wo liegen bleiben könne, ist da am Ende gar nicht wichtig. 

Schlüsselwort zwei sei Exzellenz, las ich nun. 

Ich habe dann da etwas geschrieben, aber genommen haben sie mich nicht. 

Zauberkraft des Philosophiestudiums

Recht aufatmend durfte ich ja, einmal in Italien angekommen oder hingesiedelt, feststellen, dass man dort von Seiten auch städtischer Schulen und staatlicher Universitäten einem, welcher im Hauptfach Philosophie studiert hatte, ohne Bedenken oder Nervenzittern zutraute, deutsche Sprache und Literatur zu unterrichten. Solcher zauberhafter Übertragungskraft vertraute schon damals in Deutschland niemand mehr. 

Es gibt ja auch Menschen da im Norden, die Deutsch als Fremdsprache eigens studieren, danach aber noch immer nicht besagtes Deutsch unterrichten dürfen, sondern außerdem erst eine ministerielle Bimf- oder Bams-Zulassung zu erwerben haben. So einfach ist das ja bekanntlich alles nicht. 

Voraussetzungen

Wollte mein alter Freund Maria Wutz sein seliges Auenthal verlassen und verfasste zu diesem Zwecke einmal nicht die Bücher, welche dann, wie man bei mir zu Hause sagt, im Regal zu stehen kommen, sondern Bewerbungsschreiben, welche in die Welt hinauszufliegen haben, hätte er, ob er sich als Distriktskanonikus oder Innovationsqualitätsoffensivenmanager bewürbe, seine Informatikkenntnisse zu erklären. 

Es werden ja heutigentags Dinge verlangt wie die Beherrschung des Office-Pakets. Da wäre Wutz ganz furchtlos und erklärte, was gewünscht wird. 

Wutzens Lebenslauf bestünde schließlich etwa in zwei Zeilen für seine Promotion (drei bis sieben Jahre), weiteren zwei für sein Magisterstudium (fünf Jahre) und einer Zeile für seine Office-Beherrschung (eine Woche). Gegebenenfalls wird er auch verkünden müssen, dass er Moodle-Erfahrung besitze (fünf Minuten). 

Das verfertigte Schreiben würde Maria, stelle ich mir vor, beseligt lächelnd mit einem stillen Kopfnicken in den Umschlag stecken.