Den Mietvertrag für das alte, etwas, nun, querfeldein renovierte Haus schließt du per Handschlag ab. Gegenüber dem Haus steht ein Schuhgeschäft, das seit achtzig Jahren da ist, und das Café gleich nebenan verkauft seit 125 Jahren Kaffee und Kuchen. Beides ist der Vollkommenheit bedenklich nahe, für unser Tal der Sünde. Die Brötchen hier sind genau noch die Brötchen, die ich als Kind jeden Morgen vor der Haustür in Tüte aufgehoben habe, keine aufgebackenen Riesenoschis von Backhaus oder -fix oder wie die heißen.
Die Universität hier ist klein. Studenten in der Stadt nicht zu sehen.
sabato 1 luglio 2017
Armer Erasmus
Wenn Italiener ein Auslandssemester machen wollen, gehen sie naturgeleitet am liebsten nach Spanien, denn da gibt es Party und zweitens kann man dort, so geht jedenfalls das Gerücht, locker sieben Prüfungen in einem Monat ablegen, sofern man des Spanischen einigermaßen mächtig ist, die Lehrer dort gäben freilich Ausländerrabatt oder wie das heißen mag. Prüfungen ablegen sei in Spanien eben, so hätte das in meiner fernen Kindheit geklungen: pipileicht.
Wenn Spanien nicht geht, reist so ein italienischer Student nach Deutschland, die Franzosen nerven mit Sprachanforderungen und das geht nicht, England ist zu teuer, und zwar möglichst nach Freiburg, ovvero: Friburgo. Auch in diesem eher geist- und gottverlassenen Kaff werden sie dann einige Verpflichtungen, weil zu Hause zu schwierig und hier ziemlich leicht, wie es heißt: ablegen und sich im Übrigen untereinander ganz außerordentlich vergnügen.
Die Freiburger Universität ist im Wesentlichen aus einer Fakultät für Landwirtschaft mit etwa 400 Studenten herausgewachsen und nicht wegen Max Weber, der auch hier war, aber schnell wieder weg ist, sondern durch das Wirken eines bekannten Nazis und Philosophen in aller Welt bekannt geworden. Heute hat die, wie man bei uns im Norden sagt: Ferienuniversität zigtausend Studenten und das eher elende Landstädtchen wächst während des Semesters fast auf die Größe eines Bielefeld an. Eine gewaltige Masse von Studenten wälzt sich am zentralen breiten Bach entlang und durch alle Straßen fressend, saufend und singend hin und her. Wie viele davon werden Erasmus-Studenten sein? Gefühlt mindestens die Hälfte.
Wie ein gewaltiger plappernder Heuschreckenschwarm fallen sie in die Stadt ein, treiben die Mietpreise hoch, gehen zu Starbucks, weil sie nicht wissen, was ein Kaffee ist und essen Brötchen von irgend so einer Backkette, weil das ja eh egal ist, wenn abends Festa ansteht.
Drei Jahrzehnte Erasmus und jede Stadt mit weniger als einer halben Million Einwohner ist tot.
Wenn Spanien nicht geht, reist so ein italienischer Student nach Deutschland, die Franzosen nerven mit Sprachanforderungen und das geht nicht, England ist zu teuer, und zwar möglichst nach Freiburg, ovvero: Friburgo. Auch in diesem eher geist- und gottverlassenen Kaff werden sie dann einige Verpflichtungen, weil zu Hause zu schwierig und hier ziemlich leicht, wie es heißt: ablegen und sich im Übrigen untereinander ganz außerordentlich vergnügen.
Die Freiburger Universität ist im Wesentlichen aus einer Fakultät für Landwirtschaft mit etwa 400 Studenten herausgewachsen und nicht wegen Max Weber, der auch hier war, aber schnell wieder weg ist, sondern durch das Wirken eines bekannten Nazis und Philosophen in aller Welt bekannt geworden. Heute hat die, wie man bei uns im Norden sagt: Ferienuniversität zigtausend Studenten und das eher elende Landstädtchen wächst während des Semesters fast auf die Größe eines Bielefeld an. Eine gewaltige Masse von Studenten wälzt sich am zentralen breiten Bach entlang und durch alle Straßen fressend, saufend und singend hin und her. Wie viele davon werden Erasmus-Studenten sein? Gefühlt mindestens die Hälfte.
Wie ein gewaltiger plappernder Heuschreckenschwarm fallen sie in die Stadt ein, treiben die Mietpreise hoch, gehen zu Starbucks, weil sie nicht wissen, was ein Kaffee ist und essen Brötchen von irgend so einer Backkette, weil das ja eh egal ist, wenn abends Festa ansteht.
Drei Jahrzehnte Erasmus und jede Stadt mit weniger als einer halben Million Einwohner ist tot.
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