venerdì 14 aprile 2017

Wie der Luxus ins Land kommt

Der steht da strahlend vor dir, der Kellner, und will dir etwas bringen, was er stolz frisch gepressten Orangensaft nennt. Gut, la Spremuta, denkt ein Italiener und staunt, was es denn da zu strahlen gebe. Was er nicht weiß, weil er aus einem Land kommt, wo man in jeder Bar so etwas bekommt, sogar beim Chinesen, wie es heißt, ist, dass in Deutschland Prosecco und frisch gepresster Orangensaft zum Frühstück zu den Kennzeichen eines 4 Sterne S oder 5 Sterne-Hotels zählten, weil anderwärts alles frisch Gepresste abgeschafft worden ist, und zwar vor langer Zeit. 

Schon zu Beginn der neunziger Jahre bekam einer in Cafés zum Tee kein Scheibchen Zitrone mehr, sondern Plastiktütchen, wo was drin war, was nach Zitrone schmecken sollte. Denn so eine Zitrone schneiden, das war natürlich zu viel verlangt. Das spritzt manchmal auch. 

Manche freilich müssen drunten sterben. Für uns aber, solang das Geld reicht, frischen Saft.

Das mit dem Prosecco ist eine andere Geschichte. Übrigens und nebenbei hingesagt wird besagter frisch gepresster Saft ungefiltert serviert, damit der Gast, mitunter ein rechter Dödel, auch merkt, was er da trinkt und sich über so viel Luxus recht freuen tut. 

Definition eines angenehmen Landes

Ein gefälliges Land wäre eines, dessen natürliche oder künstlerische Schönheiten uns erlaubten, die Eigenart seiner Bewohner zu vergessen.

Italien ist, so gesehen, perfekt. Wer denkt im Dom von Siena schon an die kurzbeinigen lauten Landesherren? 

Ähnlich die Schweiz, sofern nicht gerade eine fröhliche Skifahrergruppe in der Nähe sitzt.

Die Niederlande haben da in jeder Hinsicht einen schlechten Stand.

Kerriesaus, Mayonnaise oder Ketchup?



Die Barbarei eines Landes ließe sich zur Wahrscheinlichkeit in Beziehung setzen, am Bahnhof nur belegte Brötchen mit irgendeinen Schmier drauf zu bekommen.


"Rioja"-Rufer

Dieser junge Leiter so eines Kulturinstituts bestellte jedesmal, wenn er mit mir was trinken ging, siegesgewiss einen Chianti, da das offenbar das Schickste war, was so ein Wiener in Italien sich vorstellen konnte.

Das wäre an sich auch gar nicht bemerkenswert, wenn sich nicht die europaweite Überflutung mit roten Weinen namens Barolo oder Rioja solchen weitgereisten Leuten verdankte, welche weltensicher gern einmal etwas ausrufen wie „Ach, ein Rioja!“ Sie haben keine Ahnung und der Markt öffnet seine Tore weit,  weil sie so viele sind.