Stell sich einer vor, er sei Philosophieprofessor und habe sich ein fleißiges Forscherleben lang mit antiker Philosophie und mit so etwas wie Plotin beschäftigt. Das klingt nicht sehr reißerisch. Es handelt sich aber direkt (übersetzt wurde er erst 1806) oder indirekt um einen der einflussreichsten Denker (so zwischen Goethe und Historismus) für die deutsche Geistesgeschichte, wenn man so etwas erzählen will, was ja nicht jedermanns Sache zu sein braucht.
Angenommen auch, zwischen vier oder fünf wöchentlichen Seminaren und Vorlesungen, also vielleicht 60 bis 100 jungen Leuten (Philosophie, nicht Jura oder so etwas), darunter Dingen wie Lehramtsstudenten, tue sich einmal einer hervor, dann ein zweiter und dritter. Der oder die lesen mehr, lernen mehr, verstehen mehr als die anderen. Das wäre beglückend, nicht?
Was aber machen Sie mit dem zweit- oder drittbesten, der nun tatsächlich in Ihre Fußstapfen treten will? Sie verschaffen ihm ein Stipendium für die States. Zwei, drei Jahre, dann wird sich zu Hause etwas finden, denken Sie.
Nun kommt dieser kluge und fleißige junge Mensch nach drei Jahren zurück und wird tatsächlich Professor in Deutschland. In Vorlesungen spricht er über Einhörner, tut das, als wäre er Steve Jobs und postet sich auf Youtube.
Das kann passieren, wenn man einem Menschen weiterhilft, und dann war es nur ein Streber.
giovedì 26 gennaio 2017
Graduiertenschule: Nur für die besten
Aufnahmekriterien:
"Bei PostdoktorandInnen wird eine mindestens mit »magna cum laude« abgeschlossene Promotion an einer wissenschaftlichen Hochschule im In- oder Ausland vorausgesetzt". Mit dickem Lob also, ein einfaches oder zögerliches reicht natürlich nicht. Nun hngt die Note nicht nur von der Qualität der Arbeit, sondern auch von der Universitätstradition, von Gewohnheiten und etwa Launen des Doktorvaters, von dessen Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der Kommission und vermutlich, je nachdem, auch vom Wetter und der Sternenkonstellation ab. Stattdessen zu bitten, nur Leute mit interessanten oder anregenden oder schönen Doktorarbeiten sollten sich bewerben, kommt naturgemäß nicht in Frage. Bei so einer Graduiertenschule weiß man einfach genau, was man will. Für Doktoranden etwa wird verkündet: "Die BewerberInnen um die Promotionsstellen müssen überdurchschnittliche Leistungen, insbesondere beim Hochschulabschluss (Master, Master of Education, Staatsexamen oder Vergleichbares), vorweisen". "Insbesondere": das heißt die Auswähler schauen sich auch die vorausgegangenen Noten an. Vielleicht bis zum Abitur? Wenn das so wäre, dann läge hier zwar ein Fall norddeutscher Bescheidenheit vor ("überdurchschnittlich" ist wenigstens nicht "herausragend" oder "gipfelstürmend"), aber die Neigung zu dem, was man Streber nennt, wäre gleichwohl unverkennbar. Also zu solchen, die immer gute Noten haben.
Was da so verlangt wird für eine Doktorschule
-
Nur, was die Sprache betrifft:"BewerberInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch oder Englisch ist, sollten Sprachnachweise für Deutsch (C1 / DSH 2 / ZOP / TestDaF 4 / DSD II) beibringen",das heißt, Sie müssen nicht nur längere Sätze hervorbringen und verstehen, Ihrer Freundin Ratschläge beim Einkaufen geben ("Ach, Gerda, das ist wirklich eine schwierige Entscheidung!") und Graphiken beschreiben können, sondern derlei wundersame Fähigkeiten auch durch ein anerkanntes Zertifikat bescheinigt bekommen haben. Was nun einerseits Zeit und Geld kostet (zwischen 100 und 200 Euro plus Vorbereitungskurs), andererseits aber gar nicht ausreicht, um etwa eine Seminararbeit abzufassen. Es handelt sich, was ein Bayer wohl nicht verstehen würde, um Kokolores.Was nun das Englisch betrifft: "Englisch (B2 / IELTS 5.0 / TOEFL 500-170-80 / Cambridge Examination CEA / 7 Jahre Englischunterricht in einer deutschen Schule)". B2 entspricht etwa dem First Certificate und wäre schon für einen qualifizierten Sekretär etwas wenig, fürs Doktorieren ganz sicher. Ist natürlich auch nicht ganz billig. Dass man in einer "deutschen Schule" (anderen vertraut man da nicht) sieben Jahre brauche, um auf B2 zu kommen, ist ... nun ja, wir erinnern uns.Warum aber überlässt man die Sprachbewertung nicht einfach der Auswahlkommission? Die anwesenden Damen und Herren wissen ja eigentlich, worum es gehen wird. Unternehmer machen das so, wenn sie nicht komplett meschugge sind.Nur die Verwaltung will den Professorinnen natürlich am liebsten gar nichts überlassen und fordert Zertifikate. Professoren haben keine Lust und keine Macht und daher das ganze Gedöns.
"Meine liebe Freundin", schreibt Coleridge
aus Ratzeburg. "See how natural my German comes from me". Tatsächlich lernt er es dann, weil er ja Kant lesen und mit Fichte sprechen will. Das ist nur natürlich, will es scheinen. Selbst Talcott Parsons muss ja Deutsch gelernt haben, um Max Weber zu lesen. Heute allerdings sieht man das offenbar anders. In Deutschland spricht man auch Englisch, wenn es um Philosophie geht, und Amerikaner können sich das Deutschlernen sparen, auch wenn sie in Berlin Doktor werden wollen.
Es kommt doch eh nur auf den Inhalt an.
Es kommt doch eh nur auf den Inhalt an.
Iscriviti a:
Commenti (Atom)