domenica 26 febbraio 2017

Das kommt später

Meine Mutter sagte dann immer: "Das ist noch nichts für dich", wenn ich Balzac oder so etwas lesen wollte, weil ich die Schulbibliothek schon aus hatte und sonst gab es nichts. So etwas hätte ich also erst später lesen sollen und da weiß man ja bekanntlich nie, ob das wohl jemals kommen wolle, dieses Später.

In der Schule stand nun auch nicht der Faust oder Arno Schmidt auf dem Programm, sondern Max Frischs Homo Faber. Der Rest käme später, hieß es. Nun dauerte die Beschäftigung mit dem tiefgründigen Werk Frischs drei bis sechs Monate. Noch zwei davon in dieser gründlichen Weise gelesen, Italiener wundern sich da ja, denn in der Oberstufe lesen sie gut und gern zwanzig oder dreißig Bücher und nicht drei, so oberflächlich sind die da, war alles erdenkliche Später aufgebraucht. 

Dann habe ich an so einem Kultur- und Sprachinstitut, welches einen Dichternamen trägt, so wie Gryphius oder van Hoddis vielleicht, die Dame kennen gelernt, welche sich um den Kontakt zu italienischen Schulen kümmern sollte, und die erklärte mir gradeaus, ich solle sie mit diesen Kulturdingen wie Nietzsche in Frieden lassen. "Diese Italiener mit ihrer Kultur!" rief sie aus: "Die sollen erstmal die Sprache lernen!" Und da haben wir es wieder, dass da etwas für wen noch nichts ist und später kommt.