mercoledì 19 aprile 2017

Antwort oder Echo

Roland Barthes hat ja wohl lange versucht, die Mode zu verstehen, dann aber eingesehen, dass es ohne die Worte dazu so etwas wie Mode gar nicht gibt. 

Schickt einer Worte hinaus, wünscht er andere Worte, vielleicht Widerrede, auch das Geistergespräch über den Tod hinaus. Gleich gegen gleich. 

Sendet einer Bilder von sich aus, wartet er kaum auf Gegenbilder, eher auf Worte, die aber nicht als Antwort oder Entgegnung, nicht von gleichen ausgesprochen werden, sondern Echo sind. Anderes, An- und Aufnehmendes, Widerhall. 

Diese Fotos letztens tragen nicht einmal mehr eine Geschichte bei sich. Lagerfeld zu Claudia Schiffer: "Du gehst wie eine Bäuerin!" Heute treten noch und noch Dinge auf wie "eine Kardashian" oder eine "Tochter von Johnny Depp", Markierzeilen. Diese Abgebildeten kommen nirgendwo her. Sie sind immer schon da. Die über sie, so oder so, sprechen oder schreiben, bilden, alle zusammen, ein Echo aus diesem Nirgends, aus dem niemand kommt. 

Ohne Worte gäbe es so etwas wie Mode nicht, aber die Worte sind ein Hall nur. 

Accademia

In solch einem Dozenten- oder Professorenbüro mit Nummer, wo draufsteht, wer drinsitzt, wenn da so ein Restchen Sonne hereinscheint am späten Nachmittag, bearbeitet der Stellenhalter Fußnoten für seine bedenkenreiches Aufsätzchen übers Schreiben oder Tun anderer, welche wiederum anderes bedenken, was jedenfalls jeweils woanders steht oder geschehen ist. 

Pünktchen hier, Pünktchen da, Einschub, Absatz, Seitennummer und, hopp, noch ein Name, Vorname nachgesetzt: wie kleine frische pausbäckige Rekruten stellen sich die Angaben in einer Reihe auf. 

Der Parademarsch könnte ihm, träumt der Schreibende dann, Punkte einbringen, und die sind wie kleine Stufen einer längeren geschwungenen Treppe, die ihn ein Stockwerk höher führen könnte, dürfte oder müsste.  

Ohne Büro und Nummer, kein oben und unten, kein Aufsätzchen. Denn dass einer derlei schreibe, um einfach nur von mehr als drei Aufmerksamen gelesen zu werden, das ist doch nicht recht annehmenswürdig. 

Jede Schriftform ist ein Sitzort, möchte gesagt sein, und auf der Wiese oder in der Stube schriebe einer anderes, als an einem zustehenden oder -gewiesenen Schreibtisch.