giovedì 10 agosto 2017

Zyklopentüren, von Geisterhand

Begeistertste Knauserigkeit des Landesherrn lebt sich in den Universitäten ja freudig aus. Nur bei den neuen Behausungen des Geistes denkt der Herr an den Einbau von mächtigen, sich von selbst öffnenden Türen oder besser Toren, welche dem etwa auch zufälligen Besucher gewiss freundlich entgegenkommen wollen, ihm aber vielleicht, als Geisterbewegte, unter Umständen einen gehörigen Schrecken einjagen können, wenn sie da so wupp, aber lautlos ihm, je nach Ankommensrichtung, auch entgegenfliegen. Ein wenig zu groß sind sie schon geraten, und der Eindruck ist hier ein klein wenig der des non ti credere oder bild dir nichts ein, den wohl nicht jeder zu lieben weiß. 

Zum Ausgang erwählen wir denn auch alle die von Hand zu öffnenden Türchen, an denen "Durchgang verboten", weil Notausgang, dransteht. 

mercoledì 9 agosto 2017

Esel sein

Unser Freund Galiani hat ja bei folgendem mitgeschrieben:

ROSA Ma dimmi, arcipazzissimo, tu come insegni ad altri filosofia, se appena sai di leggere? 
TAMMARO Appunto perché sono una bestia solenne, io son filosofo. Chi fu Socrate? un asino.

Rosa: Aber sag mal, du Erzbekloppter, wie bringst du den anderen Philosophie bei, wo du kaum lesen kannst?
Tammaro: Gerade deshalb, weil ich solch ein Vieh bin, bin ich Philosoph. Wer war denn Sokrates? Ein Esel. 

Vielleicht wäre damit zu beginnen? 

Wachsein, da sein

Wachet auf, ruft uns die Stimme, und es ist ein lutheranischer Gesang. Anderwärts singt man offenbar anders und feiert etwas wie Dödeligkeit, wenig Schlaf oder Haschisch und versteht nicht, was unsereiner mit diesem dauernden Ausgeschlafensein denn anzufangen glaubt. Unter Umständen bekanntlich auch gar nichts, denn anziehend an diesem Wachtun und -leben ist ja vor allem das süße Einschlafen oder -schlummern, wenn der Mond aufgegangen. 

Vielleicht hat dieses Wachheitswünschen aber auch damit zu tun, dass unsereins etwas zu verbergen hätte? vor sich selbst? Wenn die eine Seite sehr stark ausgeleuchtet ist, liegt die andere in undurchdringlichem Dunkel. Es bleibt da nichts Graues oder Trübes, nur hell hier und nicht da da.

So syrische Studenten, um von Bekanntem zu sprechen, kommen morgens bekanntlich gern etwas verspätet und geben auf die Frage, wie es denn gehe, bedächtig eine Antwort wie: "Nur drei Stunden geschlafen", um dann in der Pause noch ein Gramm etwas draufzurauchen. So ein unsriger hat da als Kind gelernt, dass das nicht gehe, da er morgens wach in der Schule zu sitzen habe, womöglich aber eben nur, um dort nichts Trübes zu denken. 

venerdì 4 agosto 2017

Schlaf schön, Europa oder: über Spachunterricht und das, was Max Weber nicht gesehen hat

In gewissen Märchen wird das ja so erzählt: da kommt eine Hexe und durch einen Zauber schlafen alle ein, wie der berühmte Koch, der nicht mal mehr seinen Schlag zu Ende führt. Wir glauben aber nicht mehr an Märchen und wissen, dass böse Zauber nicht von einem Moment zum nächsten wirksam werden. 

Heut haben wir hier ja Dinge wie einen Europäischen Referenzrahmens, schon der Name eine Keule, im Sprachunterricht und dazu rezeptfreie Schlafmittel wie PISA. 

Wenn wir heute Sprachen lernen, und schon wollen sich die Äuglein schließen, oder? geht nämlich in Stufentests und Lehrwerken vom Start bis zum TestDaF oder DSH oder wie das Zeugs heißt, alles so, wie soll man sagen? atemberaubend einschläfernd zu, dass auch ein großer alter Kontinent langsam in sich zusammensackt und das Schnarchen beginnen möchte. 

Schüler schreiben für so was Briefe, in denen sie ihrer deutschen Freundin Gisela erklären wollen müssen, dass sie sich über ihren Besuch sehr freuen würden und dass sie doch bitte und so weiter. Oder sie dichten eine Graphikbeschreibung mit "während" und "steigt sprunghaft an". Oder sie lauschen einem Vortrag über das Waldsterben, immer wieder einmal.

Man stelle sich vor, da hätte man nicht alles, was nach Literatur klingt, als undemokratisch weggeräumt und es ginge vielleicht um Selbstmord (Werther), Verführung Minderjähriger (Faust), um Lenz (Büchner) oder um Kastration (Lenz)? Es könnte jemand aufwachen. 

So hingegen gleiten wir alle miteinond langsam in einen Traum oder Schlafzustand hinüber. Max Weber hatte die Zukunft als gemütlich unbeweglichen Zustand der Herrschaft von so etwas wie ERR oder CEFRL A1, B3, C1+ und DSH2 ja vorausgesehen, uns dabei aber wohl verschwiegen, dass wir alle in besagter Zukunft in unserm stahlharten gehäuse bald sanft dahin -oder entschlafen sein werden. 


mercoledì 2 agosto 2017

Dichter in Deutschland

Die Dichterei könnte ja im Deutschen ein wenig auch für verschwunden gehalten werden, wenn einer nicht Geburtstagsgedichte zu kaufen oder zersetzte Gedankensätze für solche zu halten wünscht. Aber wie sie so tut, so wie die Philosophie vielleicht? ist sie dann auf einmal wieder da und weiß selbst nicht, woher.

Der poetische Augenblick tut sich auf, wo es ganz nah an die deutsche Seele geht, beim Klopapier. 

"Hakle feucht" auch nicht so. "Sanft und sicher" trägt wohl alliterierend noch am Gewicht der guten alten Mütterlichkeit. "Danke" wäre auch in Kirchen zu singen. Aber "Mandelmilch" klingt schon nach orientalischen Schönheitsbädern? Kleopatra lächelt. 

Romantiker progredieren am "Zauberduft", Naturkinder erfreun sich an der "Sommerbrise", welche ins stille Örtchen leise weht. Und für alle und jedes gibt es, dies, oh "Regina", die Krönung: "Happy End".