domenica 30 luglio 2017

Du stellst dir immer alles so vor,

so einfach und gleichsam linker Hand zu erledigen. Du denkst dann im August: ich studier, und zwar im Winter, wenn es kalt ... und was? Heruntergewohntes wie Philosophie oder Zukunftsträchtiges wie Gerontologie? 

Ganz gleich, du kommst zu spät. Du hast nämlich vergessen, dass du bis 15. Juli alles in den Büros hättest einreichen müssen, oder bis 15. Januar, für den April. 

Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, will eben auch seine Freude an den Akten habe, sie nicht husch husch hinüberreichen und wegstempeln, sondern, wenn es Sommer ist, den goldenen September abwarten und etwa mit den Papieren ein wenig in der Sonne spazieren gehen, oder wenigstens, zum Winterende, den Schnee schmelzen lassen und dann den papiernen Freuden die leicht und hell ergrünende Welt zeigen, bevor diese in staubigen Archivkellern zu verschwinden haben. 

Das hat eben auch noch etwas Menschliches und Aktenfreudiges, das alles, hier bei uns. 


mercoledì 26 luglio 2017

Totenfeier

Ciemno wszędzie, głucho wszędzie,
Co to będzie, co to będzie? (Mickiewicz)

Hinten, am Rande der Barockinnenstadt für Touristen: auf dem Hügel die Häuser, im Wäldchen der Friedhof, in der Mitte also? gibt es eine Buchhandlung, so etwas früher Erträumbares, denk an die Heinrich-Heine-Buchhandlung im Bahnhof Zoo, was heute hingegen unglaublich scheint. 

Neben Celan haben die auch George, und neben Goethe auch Hans Henny Jahnn, die gelbe Ausgabe. Auf die Frage, ob das noch jemand lese, weiß der Buchhändler mit trocknem "Nee" zu antworten. 

Hier sind die Vergessenen und Verlassenen versammelt, wie zu einer kleinen Feier- oder Gedenkstunde ihrer selbst, und warten auf den Besuch der Gespenster.

lunedì 24 luglio 2017

Am frühen Sonntagmorgen sitzt du da (Deutsche Notizen 2)

Oh Mädchen,
morgens um sieben auf der Bahnsteigbank?

Alles ist falsch.
In Wind geklebt grün-graues Haar.
Die Beine ungeziert gestellt wies kam,
Klamotten schief geworfen: "ruf dich an!"

Sieh da, die grünen Kabelmasten rosten,
und grün und grau wächst seitwärts hoch, was nicht gepflanzt,
so Griff um Griff sucht es den Weg zu dir. 

Da
 sitzt du nun. 



Kleiner Gesang auf den großen Euro in Frankfurt (Deutsche Notizen 1)

Blau und gelb, so viel in einem:
Tjörg, Güllü, Stürn und Trüh.
Selbst aufzubaun.

Gelb? Blau und gold! hier so eins aus vielem:
Tallero, Pinunz, Knete und Dané.
Erleuchtet auch. 

Umstirnt von Vielheit der Nationen,
stehst du so rund. Der Euro rollt. 

Blau und gelb, so viel in einem: 
Kajuta, Knippsa, Ydby, Tundra. 
Alles für dich. 












domenica 23 luglio 2017

Wie war's?

Wenn du in dieser großen Zeit irgendwo gewesen bist, wirst du bald auch per Post gefragt, wie es gewesen sei. Du darfst dann für Sauberkeit und Geschmack und was immer einen bis fünf Sterne abgeben, was wirklich eine nette Aufmerksamkeit bezeugt. 

Könnten wir solches nicht für alles und jeden einführen? Du triffst eine Esmeralda oder einen Quasimodo und wirst am nächsten Tag gefragt: wie war's? Einen bis fünf Sterne für Langweiligkeit oder hübsches Dasitzen, das wäre doch ermunternd. 

Könnte diesen Vorschlag in irgend einem amerikanischen Tal vielleicht irgend jemand aufnehmen und etwas daraus machen? Fünf Jahre später drehen wir dann auch einen Film über diese Genialität.


sabato 22 luglio 2017

Grünstreifen

In Siemensstadt geht es zuerst durch Mehrfamilienhäuser, modern kleingeschnitten und geschachtelt. Dann kommt ein grüner Streifen, fast ein richtiger Park. Dahinter tragen die Straßen Namen wie Heidewinkel. Die Häuschen für Familien von Führungskräften sind von Gärtchen umgeben. 

Dasselbe Bild in Nürnberg-Langwasser. Häuschen hier, dann Grünstreifen, Wohnungen da. Kinder und Hundebestzer treffen sich vielleicht in der Mitte.

In Frankfurt geht das multikulturelle Getöse und Gewimmel der Armen bis zum neuen Symbol der Mainstadt, was, man stelle sich vor: Trump ließe nen Riesendollar vor der Freedom Wall oder irgendwo da in Washington aufstellen: wäre seltsam, nicht? ein wenig goetheungemäß ist. Nicht das aber ist es, was trennt, und auch nicht der Kiosk mit Bankmagazinen, sondern der schmale Grünstreifen drumrum. Hinter dem Grün beginnt die schönere Welt.

Manchmal auch unsichtbar durchziehen Trennungslinien die Städte. Von den armen Leuten zu den schönen sind es dann nur hundert Meter, gerade mal am Bahnhof, vorbei, wie in Hamburg. Kein Schnorrer verirrt sich auf die bessre Seite, scheints.

venerdì 21 luglio 2017

Leichte Sprache für alle

In ganz Europa sind seit einiger Zeit Verwaltungen gehalten, bei ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit auch in eigens angefertigten, wie man das nennt, barrierefreien Texten zu erklären, was sie wollen. Das fände auch an Universitäten gewinnbringend Eingang, wenn sie etwa ihr Geschreib durch das für alle ersetzen würden. 

Ein zufällig gewähltes Beispiel aus einem Graduiertenprogramm:

Den deutschen Promovierenden wird als elementarer Bestandteil des Programms im zweiten Jahr (Herbst 2018) ein Studienaufenthalt an einer der amerikanischen Partneruniversitäten und die Teilnahme an deren exklusiven Graduiertenprogrammen geboten. Die Tuition fees entfallen. Das Programm umfasst keine Stipendien.

In leichter Sprache könnte das etwa lauten:

"Da sind Studenten. 
Die haben schon fünf Jahre studiert und wollen noch drei Jahre weiter studieren. 
Manche von den Studenten sind Deutsche. 
Die müssen dann im Herbst sechs Monate in Amerika studieren. 
Manche sind keine Deutschen. Was die machen? Keine Ahnung.

In Amerika studieren ist teuer. Darum ist das ganz toll. Aber unsere Studenten müssen da nichts bezahlen. Geld zum Leben bekommen sie nicht. Sie müssen schon Geld haben". 

Das ist eben erkenntniszuträglich, so ein einfaches Schreiben.

domenica 16 luglio 2017

Internationalisierung, Tellerränder

In der FAZ steht ja heute, Internationalisierung biete den Studenten die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen, was ja nett, aber nur aufregend ist, wenn es auf dem Teller selbst nichts zu sehen gibt. 

giovedì 13 luglio 2017

Lichtfunken, unterwegs

Wir sind ja doch vermutlich alle in unserer Jugend, also nach der erstickenden Leere des deutschen Gymnasiums, ich sage nur Borchert: das Brot, auf Benjamin hereingefallen, also nicht unbedingt auf den mittleren mit dem "Autor als Produzent" und der "Reproduzierbarkeit", das war selbst uns zu doof, aber doch auf den frühen  und den ganz späten, und deshalb kennen wir auch die kabbalistische Lehre von den zerschlagenen Gefäßen, welchen Licht entströmt sei, welches nun verstreut in Lichtfunken aufzusuchen sein könnte, oder wie war das gleich? 

Inzwischen durften wir das Entströmen des letzten Geisteslichts aus den Universitäten erleben und können uns bindungslos auf die Suche nach den Geistesfunken begeben, welche also anderwärts verstreut sind. In Liedern von Popgruppen oder in Buchhandlungen, wo auch immer. Es ist ein wenig, als dauere die Schöpfung mit ihrem Zerstörungswerk an.

mercoledì 12 luglio 2017

Nicht abschließende Zahlen

Es gibt ja, außer durch zehn oder durch zwei teilbaren Zahlen, die man sich ja doch immer in Blöcken, mindestens in Paaren denkt, ja auch mysteriös aussehende wie 3, 7, 97 oder 101, welche sich dankbar für allerlei Schauerromane oder Kinderfilme verwenden lassen. Bei beiden Gruppen hat man den Eindruck, die Zahl habe so ihre Ordnung und man könne es dabei bewenden lassen. Die Don Giovanni-Zahl 1003, eroberte Frauen in Spanien nämlich, ist völlig anders. Ich glaube, Kierkegaard hat das als erster gesehen.

1003: Es steckt kein Geheimnis dahinter: sie ist durch 17 und 59 teilbar, sie ist groß. Die Zehnerpotenz steht unverbunden neben der perfekten, wie man ja meint, drei. Also welcher Ordnung gehört sie an? Weder den Zehnerzahlen noch den Geheimniszahlen. Sie fällt einfach so dahin und der, bei Mozart, Verführer, oder was es dann sei, kann nichts als weitermachen. Die Mathematik beschäftigt sich nicht mit solchen außerordentlichen Zahlen, welche nichts abschließen und bei denen einer deshalb nicht stehen bleiben kann. Ich würde sie Lebens- oder Todeszahlen nennen, was ja dasselbe ist.

so ein Gefühl

Welcher Teufel den Lehrer da geritten haben mag, als er, nach der Lektüre eines kurzen Stücks von Bernward Vesper: Die Reise, die Studentinnen fragte, ob sie sich auch, wie der Schriftsteller, betrogen fühlten? 

Fast alle diese Zwanzigjährigen sagten ja. Vielleicht könnte von da eine Überlegung ausgehen. 

martedì 11 luglio 2017

So Geschichten

Erst hielt ich es ja für etwas Niederländisches, aber jetzt, mit den Syrern hier in Deutschland, wird die Wandlung vollständig. Diese wie jene, die ich da so getroffen habe, glauben nicht an die Evolutionstheorie und schon gar nicht an Darwin, den, wie sie sagen, Betrüger. 

Sie holen ihre Selbsterzählungen aus ihrer jeweils heiligen Schrift und sind also, denkt nur wie angenehm so ein Gedanke! sie seien direkt und selbst als solche erschaffen worden und nicht Frucht irgend so einer Entwicklung von den Mollusken zu uns. 

Auch in der Schule, sagen da viele, sollten beide Geschichten erklärt werden und das ist doch auch ein netter, dem Erzählreichtum und der Einbildungsfreude zuträglich sein wollender Vorschlag. 

Nur die Union der Akademien der Wissenschaften meckert, obwohl sie gar nicht zu sagen wüsste, warum. Die Philosophie haben sie ja weggeschafft, sich selbst erklären können diese Wissenschaftserzähler auch nicht und so steht da jetzt eine Geschichte neben der anderen und beglückt.

mercoledì 5 luglio 2017

betrogen werden

Hereingelegt zu werden erfüllt ja manchen mit einer eigenen Freude, denn wir können uns doch gewissermaßen geehrt fühlen durch solche auf uns rechnende und besondere Rücksicht nehmende Behandlung. 

Wer in Venedig eine Pizza essen will, darf eben davon ausgehen, dass er den Ort der Pizzeria mitbezahlt, und das in übertriebener Weise, was eben auch das Italienische ist, das unsereiner da  suchen möchte. 

In Deutschland hat es da auch etwas Italienisches oder Übersohrhauendes, wenn einer nämlich zum Essen Wasser trinken möchte. Solches könnte ja auch ganz lieblos aus dem Wasserhahn bezogen und in einem Krug auf den Tisch gestellt werden. Fürsorgliche Restaurantbetreiber aber bringen uns süße kleine Fläschchen mit spritzigen Namen, irgend etwas mit Brio oder Frio oder Frizz und bitten uns darum, diese Zauberhaftigkeit mit etwa dem Doppelten dessen zu entgleichen, was etwa ein Bier kosten würde. Das Banale ist eben billiger und gänzlich unbezaubernd und im Namen der Zauberhaftigkeit zahlte ich auch gern das Dreifache. 

Wertevermittlung

Es gibt ja hier mehrere Stufen der Beschulung von Flüchtlingen, die unterste heißt "Erstorientierung und Wertevermittlung" und das ist doch etwas recht Fürsorgliches, wo die dann wohl keine Werte hätten, so von sich aus, und ihnen daher Dinge wie Achtung vor Weib, Mann und Kind oder Freundschaft oder Freiheit erst einmal zu vermitteln wären. 

Es könnte allerdings auch scheinen, der von der Philosophie längst weggekehrte Wertbegriff Schelers und vielleicht noch anderer Ferkelchen sei hier durch Soziologie, wo er auch nichts Gutes geleistet hat, wie wir bei Max Weber sehen, und schließlich Psychologie, wo, na ja, in die Amtsstuben gesickert, wo er sich nun zu Hause fühle. 

Dann könnte vielleicht zu bedenken gegeben werden, dass da den Meisten etwa die Achtung vor der Frau keineswegs abginge, ganz im Gegenteil, dass sie diese aber vielleicht auf eigene Weise interpretierten, weshalb über Deutungen von Achtung zu reden sei und nicht über den "Wert" selber, womit der Kurs vielleicht "Gemeinsames Nachdenken" genannt werden könnte, wofür aber Büros nicht bezahlen mögen, so weit ich weiß. 


martedì 4 luglio 2017

Vor dem Ungeheuer

Einer der neuen Studenten aus Syrien sitzt da, spricht über sein Studium und unterbricht sich plötzlich.
"Ich habe Angst vor der Sprache!", sagt er. 

Sollte ich ihn umarmen? "Ich auch, Bruder!" 
Zu spät für mich. 

Er zittert noch ein wenig, mit einem Restchen furchtsamen Gehabes nur, denn er steckt ja auch schon drin und käme überhaupt nicht mehr raus.

sabato 1 luglio 2017

Stadt wahrnehmen (1): Die Provinz

Den Mietvertrag für das alte, etwas, nun, querfeldein renovierte Haus schließt du per Handschlag ab. Gegenüber dem Haus steht ein Schuhgeschäft, das seit achtzig Jahren da ist, und das Café gleich nebenan verkauft seit 125 Jahren Kaffee und Kuchen. Beides ist der Vollkommenheit bedenklich nahe, für unser Tal der Sünde. Die Brötchen hier sind genau noch die Brötchen, die ich als Kind jeden Morgen vor der Haustür in Tüte aufgehoben habe, keine aufgebackenen Riesenoschis von Backhaus oder -fix oder wie die heißen.

Die Universität hier ist klein. Studenten in der Stadt nicht zu sehen.

Armer Erasmus

Wenn Italiener ein Auslandssemester machen wollen, gehen sie naturgeleitet am liebsten nach Spanien, denn da gibt es Party und zweitens kann man dort, so geht jedenfalls das Gerücht, locker sieben Prüfungen in einem Monat ablegen, sofern man des Spanischen einigermaßen mächtig ist, die Lehrer dort gäben freilich Ausländerrabatt oder wie das heißen mag. Prüfungen ablegen sei in Spanien eben, so hätte das in meiner fernen Kindheit geklungen: pipileicht. 

Wenn Spanien nicht geht, reist so ein italienischer Student nach Deutschland, die Franzosen nerven mit Sprachanforderungen und das geht nicht, England ist zu teuer, und zwar möglichst nach Freiburg, ovvero: Friburgo. Auch in diesem eher geist- und gottverlassenen Kaff werden sie dann einige Verpflichtungen, weil zu Hause zu schwierig und hier ziemlich leicht, wie es heißt: ablegen und sich im Übrigen untereinander ganz außerordentlich vergnügen. 

Die Freiburger Universität ist im Wesentlichen aus einer Fakultät für Landwirtschaft mit etwa 400 Studenten herausgewachsen und nicht wegen Max Weber, der auch hier war, aber schnell wieder weg ist, sondern durch das Wirken eines bekannten Nazis und Philosophen in aller Welt bekannt geworden. Heute hat die, wie man bei uns im Norden sagt: Ferienuniversität zigtausend Studenten und das eher elende Landstädtchen wächst während des Semesters fast auf die Größe eines Bielefeld an. Eine gewaltige Masse von Studenten wälzt sich am zentralen breiten Bach entlang und durch alle Straßen fressend, saufend und singend hin und her. Wie viele davon werden Erasmus-Studenten sein? Gefühlt mindestens die Hälfte. 

Wie ein gewaltiger plappernder Heuschreckenschwarm fallen sie in die Stadt ein, treiben die Mietpreise hoch, gehen zu Starbucks, weil sie nicht wissen, was ein Kaffee ist und essen Brötchen von irgend so einer Backkette, weil das ja eh egal ist, wenn abends Festa ansteht.

Drei Jahrzehnte Erasmus und jede Stadt mit weniger als einer halben Million Einwohner ist tot.