domenica 2 aprile 2017

Professor in der U-Bahn

Dieser französische Ethnologe hat auch ein Buch über U-Bahnen geschrieben. Da schreibt er naturgemäß erstens viele langweilige Extrasätze über den Anderen oder die anderen. Zweitens kennt er nur die Pariser U-Bahn. Dabei könnte, wer an die Londoner oder Berliner oder Mailänder denkt, schnell einmal zum Schluss kommen, das da in Paris sei gar etwas anderes. 

Die fahren ja zum Teil auf Gummirädern und man hört nichts. Die gaffen da einen jeden, der nicht so recht gallisch daher kommt, unter Umständen sichtbarlich an und denken sich nichts. Das soll eine U-Bahn sein? Wenn von U-Bahn die Rede ist, möchte einer ignoriert sein und Anfänger vom Lande daran erkennen, dass sie so gucken. Womöglich bleiben solche, wie wir wissen, noch am Eingang und Ausgang stehen und einer, der raus will, muss Schreien oder Schulterklopfen oder andere ländliche Dinge tun. Aber das ist Nebensache. 

In London oder Berlin in Unterhosen U-Bahn zu fahren könnte herb enttäuschend sein, weil die anderen einen auch einfach übersehen oder gar nicht beachten könnten. Man sollte sich da keine Mühe geben und an anderes denken. Auch jedem Attentäter sei das gesagt. Die U-Bahn fährt am nächsten Tag einfach weiter und da hat sich's was mit Memorial Days und was die sonst noch beanspruchen oder erträumen, diese Bombenleger oder Medienfritzen. Davon weiß unser Franzose natürlich nichts. 

Da er ein Professor ist, beschleunigt er höchstens einmal seinen gleichmäßigen Schritt, wenn er nämlich sonst zu spät in die Uni kommen könnte. So einer sieht nichts. Er ist nämlich nicht als ein Stadtwesen unterwegs, welches auch einmal gewisse Begegnungen zu vermeiden sucht. Stadtwesen sind vielleicht in irgendwem unstattlich scheinender Begleitung unterwegs oder waren an dem und dem unstatthaft scheinenden Orten oder haben etwas, was nicht jedem gefällt. Dann können sie, wie meinerzeit, in Berlin den schnuckeligen Viktoria-Luise-Bahnhof vermeiden, da gab es nämlich auch mal Schläge, oder die grüne oder die gelbe Linie in Mailand umgehen, je nachdem. Denn in diesem gleichförmig anzusehenden unterirdischen Strömen von Menschen regieren Gesetze. Ein Professor, der sich da beschaulich seinen Erinnerungen hingebt, wird das nie verstehen.